2011


Januar

Mein Tag

„Hurra! Ich habe heute Geburtstag und bin 5 Jahre alt geworden. Das bedeutet, dass ich schon fast ein Schuli bin, aber leider nur fast…

Wann geht es endlich in den Kindergarten? Es muss doch schon längst soweit sein. Kein Anruf von den  Erzieherinnen, also geht es auf die Wiese oder in den Wald. Ich finde das Wetter sieht auch sehr gut aus, dann brauchen wir nicht in die Sturmhütte. So, jetzt habe ich meine fünf Hosen und Pullis und den Schneeanzug an. Es wird langsam warm, wann kommt denn endlich meine Fahrgemeinschaft?

Ah, da ist sie ja! Die werden staunen wenn die meine Muffins sehen. Rosa für die Mädchen und Schokolade für die Jungen, mh, lecker.

Bauer Peter

Wir sind da, auf Hof Espermüller bei Bauer Peter, der ist leider noch nicht zu sehen. Doch da hinten am Stall steht er und bespricht irgendetwas mit Nicole und Sissel (unseren Erziehern). Jetzt kommen sie zurück. Sie strahlen. Das bedeute, dass wir Bootfahren. Bootfahren im Schnee ist super! Peter kommt später mit seinem Trecker an dem ein Boot gebunden ist und dann geht es ab in den Wald, Jipiii!

Endlich machen wir eine Reihe. Immer schön zwei und zwei Kinder zusammen und alle hintereinander. Das müssen wir üben, damit wir auch bei viel Straßenverkehr zurechtkommen. Ich darf heute als Erster gehen, weil ich das Geburtstagskind bin. Nach dem ersten Warteplatz können wir laufen wie wir wollen. Man, heute trödeln die anderen aber ganz schön. Noch zwei Warteplätze bis wir an unserer Wiese sind, das Warten auf die etwas  Langsameren kommt mir heute ewig vor. Hatten die schon immer so kurze Beine?

Wenn es eine Geburtstagsfeier gibt, machen Nicole und Sissel den Morgenkreis immer kurz, zum Glück. Denn ich will ja heute noch auf der Burg spielen. Mein Stock von gestern ist startklar. So fertig gesungen und los!

---- Oh, nö die rufen doch nicht wirklich jetzt schon zum Frühstück. Wir sind noch lange nicht fertig mit schnitzen und sägen. Ein Glück ist mein Geburtstag, dann kommt Camilla unsere Schnecke zu Besuch. Wenn sie das Geburtstagskind sucht, kitzelt es immer so. Ich konnte im Kreis ganz viel erzählen, meine Geschenke sind  überreicht worden, Camilla war da, gefrühstückt haben wir und ich durfte bestimmen wohin wir nach der Geburtstagsfeier gehen wollen. Ich möchte in den Wald, die Schlafplätze der Rehe suchen und in unserem Graben toben.

Überraschung! Peter konnte früher mit dem Boot kommen! Das ist viel cooler als Graben! Die Schlitten schnell noch hinters Boot gebunden und alle einsteigen! Ab geht die Fahrt!

Wie jetzt, der Tag ist vorbei. Wir singen noch ein Abschlusslied und sollen unsere Rücksäcke holen. Das bedeutet der Kindergartentag ist zu ende. Schade, na ja morgen geht es weiter. Vielleicht haben wir bis morgen wieder Schneewehen. In denen kann man so gut Höhlen graben. Auf dem Rückweg ist das Warten nicht so schlimm, da haben wir genug zu besprechen. Ah, da steht Mama. Sie ist mit abholen heute dran. Tschüss! Bis morgen!“

Wir wünschen allen Kleinen und Großen ein wunderschönes und ruhiges neues Jahr!

Liebe Grüße aus dem winterlichen Wald.
Sissel Nielsen


Februar

„Wasser ist Nass“

Wasser gehört zu unserem täglichen Leben und ist so selbstverständlich wie die Luft zum atmen. Wenn man sich aber bewusst damit auseinander setzt, wird schnell klar, wie kostbar und auch vielseitig dieses Element ist. Wir brauchen Wasser zum waschen, Zähne putzen, Tee/Kaffee oder Lebensmittel kochen, zum abwaschen,  saubermachen oder um die Klospülung zu betätigen.
„Wasser ist toll, wenn ich im Sommer darin baden kann, oder wenn wir Staudämme bauen und für Klackermatsch brauchen wir auch Wasser!“ „Ja, aber wenn das Wasser in die Handschuhe läuft dann finde ich das blöd, noch
schlimmer, wenn es in den Nacken läuft…““Ich mag Wasser am liebsten, wenn es gefroren ist und wir schlittern und rodeln können. Dann können wir nämlich sogar übers Wasser laufen!“
Am eindrucksvollsten sind aber wohl die vielen Experimente rund ums Thema Wasser. Wir staunen über tanzende Rosinen, wachsende Gummibärchen, beobachten magische Eier und kletterndes Wasser. Wir lassen verschiedene
Dinge über Nacht einfrieren und unser Feuerkorb lässt den vereisten Boden wieder schmelzen. Vor zwei Wochen hatten wir dann Besuch von Ann-Kristin Goldbeck, Mutter bei uns im Kiga und Geschäftspartnerin der „Trinkuhr“.
Im Gepäck hatte sie einen Trinksmiley für uns. Unser „Gugo“ steht seitdem unter Beobachtung, denn sobald er traurig guckt, ist es Zeit für eine allgemeine Trinkpause. Der kleine, charmante Smiley erinnert uns daran, regelmäßig Wasser zu trinken. Unser Körper besteht zu 70 % aus Wasser, dieser Haushalt muss regelmäßig aufgefüllt werden um fit, leistungsfähig und gesund zu sein. Über die Ernährung machen wir uns gerade in den ersten Monaten des Jahres besonders viele Gedanken. Das wichtigste Lebensmittel ist jedoch Wasser. Wenn wir Durst erst einmal haben- ein Alarmsignal des Körpers! Die Trinkuhr hilft uns dabei, alte Gewohnheiten zu verbessern und das ohne erhobenen Zeigefinger. Wenn wir das schon im Kindesalter spielerisch erlernen, haben unsere Kinder uns viel voraus.
Für weitere Fragen und Informationen zur Trinkuhr steht
Ann-Kristin Goldbeck unter 04633/284514 gerne und jederzeit zur Verfügung.


April

In dieser Ausgabe möchten wir gerne das Editorial der GEO von August 2010 zitieren und empfehlen den  Titelbericht:
„Lasst sie raus - das Kinderrecht auf Freiheit“ (unter www.GEO.de)

Es spricht uns direkt aus dem Herzen und zeigt, dass ein Wald/Naturkindergarten weitaus mehr als eine „hippe“ oder „elitäre“ Einrichtung ist.

„Müssen Sie lachen, wenn Sie folgendes lesen? Ein Huhn legt im Durchschnitt 3 Eier am Tag, manchmal auch 6. Die Frau des Hirsches heißt Reh, die Sonne geht im Norden auf und H-Milch kommt von H-Kühen. Oder ist Ihnen ein bisschen bang, wenn Sie erfahren das nur 10% der Schüler meinen, in Naturwissenschaften etwas über Natur vermittelt zu bekommen? Und wenn jeder 4te Schüler glaubt, in einem Handy steckten 0% natürliche Rohstoffe und nur jeder 25. Schüler weiß, dass es 100% sind?
Nach einer Umfrage an über 3000 Schülern der 6. und 9. Klassen aller Schulformen in 6 Bundesländern kommt es zu dem Schluss, dass wir es mit einer „erschreckenden Naturvergessenheit“ zu tun haben. Mit einer „selektiven Naturwahrnehmung“ ohne Erfahrungsfundament, in der die Auffassung von Umwelt immer abstrakter und formeller wird. Auch und gerade für Kinder, behütet in klimatisierten Räumen, von A nach B überwiegend auf Rücksitzen unterwegs, mit Spielkonsolen versorgt-einer technischen Reizintensität ausgeliefert, die in Feld, Wald und Wiese nicht zu haben ist. Nun könnte man sagen, es ist egal das es Kinder gibt, die meinen, Kühe hätten 11 Zitzen am Euter. Und „Nachhaltigkeit“ bedeute, keinen Müll in den Wald zu werfen und Tiere in Ruhe zu lassen, also vor allem eine an Sauberkeit und Ordnung orientierte Fürsorgehaltung sowie den Schutz des Bambis. Das ist immerhin ja mehr als gar nichts und obendrein süß. Nur sind es in Wahrheit recht traurige Aussagen, denn das verbreitete Nichtwissen über Natur ist ja auch Konsequenz einer offenbar unerfüllten Sehnsucht der Kinder. Eine Sehnsucht nach Freiraum, Himmel über dem Kopf, Abenteuer, Erfahrung im Matsch. Selbstverständlich wissen wir um all das, was gegen die große Kinderfreiheit in Feld, Wald und Wiese spricht: da ist die Ökonomisierung des Lernens, ein wissenschaftlicher Naturentwurf der Schule, der kaum noch Zeit für autonome Erfahrung in natürlichen Umfeldern lässt, für eine echte Eroberung des Unbekannten. Da sind die Autodichte, die Gänsehaut der Eltern bei jeder Nachricht von Amokläufen an Schulen und  Entführungsfällen. Der Effekt ist das überbehütete Kind, lieber mit Computerspielen alleingelassen als mit einem Regenwurm, lieber vor dem TV-Gerät gesichert als losgelassen zum Bau von Höhlen, Baumhäusern oder Staudämmen am Bach. Es geht um elementare Bedürfnisse, um Persönlichkeitsbildung. Um Lebenszufriedenheit.
Nach einer kürzlich von UNICEF veröffentlichen Studie zum Befinden von Kindern in 21 Industrieländern rangieren deutsche Kinder nur auf Rang 18. Unbehaglich und unakzeptiert fühlen sich zu viele. Zukunftsangst ist ein Gefühl, das schon 6-11jährige befällt. Wer bläut sie ihnen ein? Wo dürfen sie sich ausprobieren, wo können sie erfahren, dass Kratzer am Knie kein Fall für den Familientherapeuten sind, und Äste, auf die man klettert, einen tragen können?“

Peter-Matthias Gaede; Chefredakteur GEO

„Lasst sie raus“ - das ist auch unser Plädoyer für das „wilde Kind“!!!


Mai

Wie sollen meine Kinder im Naturkindergarten denn eigentlich vernünftig auf die Schulzeit vorbereitet werden? Ein ständiges Hin- und Herlaufen, ohne die Möglichkeit ein konzentriertes Beschäftigen am Platz zu üben. Verbunden mit den ewigen Tücken der Natur, die durch Wind und Regen einfachste Dinge, schier unmachbar erscheinen lassen. Jeder macht hier was er will!!!???
Nein, das ist mir zu Laissez-faire…….
Dies waren meine ersten Gedanken, als es darum ging, den passenden Kindergartenplatz für unseren Ältesten zu finden. Nachdem ich mich bei Bekannten informiert hatte und meine Bedenken nach und nach weniger wurden, durfte ich selbst einen Tag im Naturkindergarten Satrup erleben.
Hier wird das Wort erleben mit neuer Bedeutung und vor allem LEBEN gefüllt. Schnell waren die Vorurteile ausgeräumt: So wurden schon zu Beginn Aufgaben verteilt - es wurden Teams gebildet und auf die aufgestellten Regeln geachtet. Jeder achtet auf jeden, denn in der Natur ist das von besonderer Bedeutung. „Stöcker dürfen nur hinterhergezogen werden“, so die erste Regel, die ich von einem Naseweis erhielt und ich wohl nie vergessen werde, „….sonst kann das Ende jemand ins Auge bekommen.“ Ja klar, das leuchtet mir ein.
Ich erlebte einen ausgefüllten Vormittag mit Singen, Zählen, Sägen, Schnitzen, Malen, Erzählungen, einem Frühstück, wie es nur in der Natur schmecken kann und tollen Abenteuern am Drachensee. Dabei gab es die  verschiedenste Tiere zu entdecken…..wer hat den schon mal einen schwarzen Wassermolch gesehen!
Schnell war deutlich, dass dies genau der richtig Platz für meine Kinder ist und meine ersten Gedanken den Naturkindergarten Satrup aus reiner Unwissenheit in ein falsches Licht gerückt haben.
Mittlerweile gehört mein Großer in der Kindergartengruppe zu den größeren und sein kleiner Bruder fühlt sich ebenfalls pudelwohl. Viel ist aus der Rasselbande nach dem Kindergarten nicht herauszubekommen. Auf Nachfrage, was sie denn schönes erlebt hätten, bekomme ich dann auch gerne mal zu hören: „Nichts, wir haben einfach nur nackt herumgesessen!“
Nackt….na klar!
Am Abend sah ich eine Reportage im Fernsehen über die Belastung von Weichmachern, die in Plastikspielzeugen stecken. Diese Weichmacher, DEHP, Phthalate, genannt, befinden sich so ziemlich überall, wo Plastik genutzt wird. So hat das Bundesumweltamt Messungen in deutschen Haushalten und Kitas durchgeführt. Festgestellt wurde, dass die Belastung in den Kitas dreimal so hoch ausfiel. Diethylhexylphthalat (DEHP) wird als Weichmacher für PVC verwendet. Aufgrund verschiedener negativer Einschätzungen (unter anderem einer EU-Arbeitsgruppe im Jahr 2000 als fruchtschädigend und fruchtbarkeitsschädigend eingestuft) verzichtet die europäische Kunststoffindustrie weitgehend auf Phthalate in Spielzeugen für Kleinkinder. Die Phthalate setzen sich im Hausstaub ab und können so durch Proben aus dem Staubsauger direkt nachgewiesen werden. Ein durchschnittlicher Haushalt wies einen DEHP-Wert von 656 mg/kg auf. Der Kitadurchschnitt wies bereits einen DEHP-Wert von 2014 mg/kg auf. Erschreckend der festgestellte Höchstwert, der bei 13 330 mg/kg lag. Das ist ca. der 6,6-fache Wert des festgestellten Durchschnittswertes in deutschen Kitas.
Das Problem liegt natürlich nicht an den Kindertageseinrichtungen selbst, sondern wie bei so vielen Dingen an der Budgetierung der Einrichtungen durch die Städte, Kommunen oder Kreise. Also an der Natur der Sache. Dies bringt uns wieder zur Natur, die nicht budgetiert werden kann und für uns alle da ist und uns Naturkindergartenfreunde
Spielzeuge in Hülle und Fülle beschert, die wir bzw. unsere Kinder spüren, riechen und hören können, ohne Angst vor Schadstoffen haben zu müssen. Der tägliche Umgang mit den natürlichen Begebenheiten unserer Umgebung, lehrt uns auch den Respekt vor dem, was uns allen als normal vorkommt und kaum noch Beachtung findet. Dieser Schatz wird uns und vor allem unseren Kindern nahe gebracht.
Eine Erfahrung von unschätzbarem Wert.
Nicht zuletzt funktioniert diese Wertevermittlung in erster Linie nur durch das Engagement der beiden Erzieher Nicole und Sissel und dem Vorstand, denen ich hierfür Danke sagen möchte.

Ein Vater


Juni

Weniger ist manchmal mehr!

Schöner Spruch! Nur oft nicht durchführbar. Der Alltag hat eben viel Hektik und viel Programm. Ein hoher  Leistungsdruck immer mitzuhalten, immer dabei zu sein und immer genug zu bieten.
Manchmal ist weniger mehr?
Wir können es uns leisten im Wald ein ganz eigenes Tempo einzuschlagen. Planung ist eine Sache Durchführung eine ganz Andere. Wie oft haben wir ein wunderbares Konzept für verschiedene Dinge vorbereitet und ein Haufen von 18 Kindern haben es mit ihrem Wissen, von was tut mir gut, wie viel brauche ich, umgemodelt. Das bedeutet so viel wie: Warum müssen wir jetzt weiter gehen? Warum können wir nicht hier weiterspielen? Manchmal fehlen uns die passenden Antworten. Wenn etwas Wichtiges ansteht wird es akzeptiert, aber eine Antwort wie: „Wir gehen jetzt weiter, weil wir uns noch soooo viel Programm für euch ausgedacht haben“, ist nicht wirklich überzeugend.

Die Krönung war ein Mini-Ausflug zu einem kleinen Aussichtspunkt ganz in der Nähe unseres Treffs (Hof Espermüller). Die „Aussichtsplattform“ ist für die ganze Gruppe doch sehr beengt. Es war also geplant kurz zu schauen und dann weiter zu einem unserer geräumigeren Waldplätze zu gehen. Aber was braucht ein Kind, das jeden Tag den „ganzen“ Wald zum Spielen hat? Manchmal einfach weniger! Ein paar Quadratmeter reichten einer ganzen Gruppe, um bis zum Frühstück (also 1½ Stunden…) mit „nichts“ zu spielen. Es wurden kleine Steine, Erde, Blätter und Dreck Zweckentfremdet und mit hoher Konzentration in Spiele eingearbeitet. Was für eine Kommunikation dafür nötig ist (ohne Anleitung) fasziniert uns immer wieder. Es ist einfach wunderschön Kinder mit einer Ruhe spielen und lernen zu sehen, auch mit so wenig Platz. Sie haben einen eigenen Rhythmus von Ruhe/Konzentration und dann wieder Bewegung/Kraft. Es ist schön ihnen dieses gewähren zu können ohne Zwang und Einschränkung.

Die Angst vor der Schule kann ich in dem Zusammenhang gleich nehmen. Nach so vielen Jahren von intensiven Lernen und Erleben, sind sie so wild auf das Lernen in der Schule, das es eine wahre Freude ist. Dazu möchten wir uns ganz herzlich für die tolle Zusammenarbeit mit der Regenbogenschule bedanken, in der unser Wald-Schuli eine Woche zur Schule gehen durfte. Da ein Klassenraum für nur ein Schulkind nicht wirklich ein Schulerlebnis ist, war es wunderbar, dass wir mit dem ADS-Kindergarten zusammen die Klassen teilen durften. Vielen Dank für die unkomplizierte Zusammenarbeit.
Nach der turbulenten Schulwoche freuen wir uns wieder auf Ruhe und weniger „Alarm“ im schönen Frühlingswald.
Weniger kann wieder mehr sein!

Sissel Nielsen


Juli I

Noch dreimal schlafen, noch zweimal, noch einmal und dann, am 09.06.2011 war es endlich wieder soweit; der langersehnte Fahrzeugtag stand auf dem Programm. Traditionell gibt es ihn seit Bestehen des Kindergartens einmal im Jahr.

Beim morgendlichen Treffpunkt präsentiert jedes Kind sein Fahrzeug vom Bobbycar über Dreirad, Roller, Trettrecker, Laufrad bis hin zum Fahrrad. Nachdem dann auch die Helme begutachtet wurden ging es- in Zweier-Reihen- los.

Nach einer gemeinsamen Wegstrecke haben wir die Gruppe geteilt. Glücklicherweise hatten wir Verstärkung von einer Praktikantin und von Henriette die ihren sozialen Tag bei uns geleistet hat. Die „Größeren“ (alle auf dem Fahrrad) freuten sich schon seit Wochen auf den „Schatzplatz“- ist dieser doch zu Fuß aufgrund der Entfernung kaum zu schaffen. Doch auch oder gerade mit Fahrzeugen ist es enorm wichtig gemeinsam Regeln abzusprechen. An den bekannten Warteplätzen wird angehalten, alle fahren rechts und wenn jemand überholen möchte dann auf  der linken Seite und nachdem das Vorder-Kind Bescheid weiß. Nach einer Trinkpause beim Schatzplatz ging es dann weiter zum Parkplatz wo verschiedene Übungen auf dem Programm standen. Angefangen mit Achten fahren, Slalom, bremsen, anfahren und plötzliches ausweichen. Ein beruhigendes Gefühl die Kinder so sicher auf dem „Drahtesel“ zu erleben.
Nun war es Zeit fürs Frühstück und da der Wald im Moment von unzähligen gefräßigen Mücken beherrscht wird, machten wir uns auf den Weg zur Wiese wo die anderen schon auf uns gewartet haben. Auch die „Kleineren“ haben Verkehrsübungen gemacht aber natürlich mit einem anderen Anspruch. Nachdem wir uns gestärkt haben wurde fleißig erzählt, sich ausgetauscht und wichtige Verkehrsregeln besprochen.

Zum Abschluss dieses tollen Tages bekamen alle Kinder noch eine verdiente Medaille mit nach Hause. Alle freuen sich schon jetzt wenn es im nächsten Jahr wieder heißt. Auf die Räder, fertig, los!

Sonnige Grüße
Nicole Wedell


Juli II

Zelten im Naturkindergarten Satrup

Der 01.07.2011 war im Naturkindergarten ein ereignisreicher Tag. Mittags wurde Solvej mit dem „Rausschmiss“ offiziell aus dem Kindergarten verabschiedet.

Am Abend hatten wir Besuch vom Falkenhof Schalkholz. Für Kinder und Erwachsene war es ein Erlebnis, Uhu Gottfried, Waldkauz Waltraud, Eule Elfriede, Falke Johann und weitere Greifvögel hautnah zu erleben. Bei den kindgerechten Erläuterungen durch das Ehepaar Eisenschmidt haben sicherlich auch die Erwachsenen noch etwas gelernt. Das weiche Gefieder der Eulen zu streicheln, der rasende Sturzflug des Falken und natürlich das Füttern der jungen Küken aus der Zuchtstation des Falkenhofes waren beeindruckend.

Nachdem wir uns mit Würstchen, leckeren Salaten und Brot gestärkt hatten, läutete Sissel mit einer schönen Gute-Nacht-Geschichte die Schlafenszeit ein. Nach der Hitze in den letzten beiden Jahren war der Schlafsack in diesem Jahr besonders kuschelig. Die Erwachsenen hatten bei einem prasselnden Lagerfeuer Gelegenheit zum interessanten Gedankenaustausch.

Das gemeinsame Frühstück am Samstagmorgen war der Abschluss eines sehr schönen Tages im Naturkindergarten.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Nicole und Sissel.

Ein müder Vater


August

„11-fach geballte Schulipower…“

Ein „Schuli“ ist ein Kind im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung- nüchtern und rein sachlich betrachtet. Doch wer heute, am ersten Kindergartentag nach den Sommerferien unsere elf „Großen“ gesehen und gehört hat, der merkt schnell, dass es hier um sehr viel mehr geht.

Stolz werden Zahnlücken gezeigt, körperliche Größen verglichen und die Vorfreude auf die Privilegien der Schulis ist kaum zu bremsen. „Jetzt dürfen wir endlich ein Webkreuz machen!“, “Ja, und alleine den Geheimweg zum Rehplatz gehen“. “Wir dürfen auch in Herrn Schlau(unserem Bauwagen)sitzen und Schuliarbeit machen!“. “Manchmal müssen wir auch schon Hausaufgaben machen!“, “Und wir dürfen alleine Wasser holen!“ Sehr gewissenhaft werden den Beiden neuen (Emma und Erik) die Warteplätze gezeigt, Rucksäcke und Trinkflaschen geöffnet und erklärt warum wir im Wald keine Blätter und Halme abreißen.

Es wird ganz bestimmt ein spannendes Jahr mit viel „Futter“ für 11 kleine, wissbegierige und schon jetzt sehr „fitte“ Vorschulkinder. Unser Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit liegt ganz klar in der Förderung der Basiskompetenzen (Sozial-, Selbst- u. Lernkompetenz) und da ist uns die Natur der bestmögliche Partner. Differenzierte Wahrnehmung, Sprach- und Merkfähigkeit sowie Mengenverständnis sollen u.a. erreicht werden, dabei soll als primäre Motivation das Entdecken, Sammeln, Experimentieren und Spielen dienen. Wo ginge das besser als im Wald?

Die Waldkinder können schon sehr früh differenziert wahrnehmen. Sie entdecken kleinste Farbveränderungen im Lichtspiel der Sonne oder der Jahreszeiten, sie lauschen und riechen mit hoher Konzentration. Waldkinder lernen schon sehr frühzeitig,  Sprache als Instrument der Konfliktlösung einzusetzen, da sie in besonderem Maße gefordert werden sich verbal auseinander zu setzen. Durch nicht vorgefertigtes Spielzeug muss immer wieder neu geklärt werden, z.B. ob der Baumstamm ein Schiff oder eine Rakete, der Stock ein Mast oder ein Besen ist. Durch ausdauerndes probieren, Aufbauen, Experimentieren, Verwerfen wird technisches Wissen erlangt. Durch Erfolg und Misserfolg gelangen die Kinder zu eigenständigen Lösungen.

Alle Basiskompetenzen sind die Grundlage für die Entwicklung des Kindes in allen Bereichen. Sie bilden sozusagen die „Wurzeln eines Baumes!“ Je kräftiger die Wurzeln ausgebildet sind, umso stärker können sich „Stamm und Krone“ entwickeln. Wir sind uns ganz sicher den Kindern das nötige Rüstzeug für eine unbeschwerte Schulzeit mit auf den Weg zu geben.

Um auf Dauer wieder eine altersgemischte Gruppe zu erreichen werden wir im nächsten Jahr gerne „ältere“ Kinder aufnehmen auch wenn diese noch nicht auf unserer Warteliste stehen!
Kontaktaufnahme über das Waldhandy unter: 0170/2959282

Nach unermüdlichem Einsatz von Stefan Nöbauer und unserem Vorstand können wir Sie /Euch nun auch auf eine brandaktuelle, sehr informative Homepage einladen!!! Vielen, vielen Dank an Euch!!!
www.naturkindergarten-satrup.de   -es lohnt sich…

Herzliche Grüße
Nicole Wedell


Oktober

Feuerwehr und Bücherei

Endlich war es soweit! Die Feuerwehr kommt zu uns in den Waldkindergarten! Juhu!

Wie kommt sie wohl? Zu Fuß? Nö! – Mit Fahrrad? Nö! – Etwa mit dem echten Feuerwehrauto? Ob das dicke Auto überhaupt auf den schmalen Weg zu unserer Wiese passt?

Tatsächlich! Holger Clasen und Sven Schlott lenkten das große rote Feuerwehrauto gekonnt bis zur Wiese. Man, so groß ist es einem sonst nicht vorgekommen. Holger und Sven stiegen in voller Ausrüstung aus dem Wagen. Es dauerte eine Weile bevor wir sie erkannten. Der Rundgang um das spannende Auto, mit den vielen Schläuchen, Hebeln, Schiebern und Knöpfen ließ uns allen den Mund offen stehen. Die Erzählungen und Erklärungen von Holger mit den Demonstrationen von Sven hinterließen einen bleibenden Eindruck. Das wir alle noch in das Feuerwehrauto einsteigen durften, toppte alles! Zum Abschluss wurden die Feuerwehrmänner auf die sonnige Wiese zum Frühstück eingeladen. – Danke für den tollen Feuerwehreinsatz!

Für den letzten Kindergartentag vor den Ferien hatten wir ein besonderes Leckerli. Wir wollten in die Bücherei, um uns ein Bilderbuchkino anzusehen. Also das bedeutet ein „Stadttag“. Wir treffen uns nicht am Bauernhof, wie üblich, sondern am ZOB. Leuchtwesten um, eine Reihe machen und los geht’s

Frau Schreiher erwartete uns schon in der Bücherei. Die große Leinenwand nimmt einen völlig in die Geschichte auf. Gemeinsam erlebt sich ein spannendes Buch immer schöner, als alleine. Das durchstöbern von den weiteren Bilderbüchern ist immer ein schönes Ausklingen. Wir hätten uns bestimmt noch viel länger mit den Büchern aufgehalten, wenn nicht der Magen zu knurren angefangen hätte. In der alten Schule konnten wir in Ruhe frühstücken und danach bei bestem Wetter auf den Spielplatz gehen, um uns auszutoben. Ein schöner „Stadttag“!

Liebe Grüße, Sissel Nielsen


Dezember

„Alle Jahre wieder…“

Huch? Schon wieder Dezember? Wo ist das Jahr geblieben? Besinnliche Weihnachtszeit? Kerzenlicht und Plätzchenduft, Vorfreude und Heimlichkeiten, Tannengrün und rotgefrorene Näschen???
Der fehlende Sommer hat unser aller Zeitverständnis ein wenig aus dem Kurs gebracht. Kaum jemand mag sich mit dem nahenden Winter anfreunden und von Weihnachtsstimmung keine Spur. Alles geht viel zu schnell!

Nicht so bei uns im Wald. Unsere Naturkindergarten-Uhren ticken anders - viel langsamer, viel bewusster. Wir haben den Herbst mit allen Sinnen erlebt und genossen. Wir konnten täglich zusehen, wie die bunt gefärbten Blätter einen orangefarbenen Teppich in den Wald zauberten, wir rochen den einzigartigen Pilzgeruch, wir hörten die Hirsche röhren, wir schmeckten die selbstgemachte Beerenmarmelade und wir fühlten (und fühlen) die unverwechselbare Nebelfeuchte und die stetig sinkenden Temperaturen.

So ist der Lauf der Dinge. Kaum noch Frösche auf der Wiese, kalte Finger beim Schnitzen, Wärmepacks zum Frühstück…Wir brauchen unseren Kindern nicht erzählen was jetzt kommt, sie spüren es einfach! Die Kinder, die es in dieser Intensität das erste Mal erleben, fragen schon warum die Bäume sich „nackig“ machen, wo all die Frösche und Käfer abgeblieben sind und warum der Kleber auf einmal nicht mehr klebt. Die „alten Hasen“ haben die besten Antworten darauf:“ Wenn der Weihnachtsmann da war, wir Schneemänner gebaut haben, Schlitten gefahren sind, Bauer Peter uns mit dem Trecker durch den Wald gezogen hat und wenn dann der Osterhase bald kommt, dann machen die Bäume neue Blätter und die Frösche haben ausgeschlafen!“ Soweit - so gut, richtig verstehen tun sie es dann aber erst mit dem er-leben, und erleben heißt nicht im Fernseher sehen, in Büchern lesen oder erzählt bekommen…

Wie sagte schon Konfuzius? „Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.“

Wir freuen uns auf die Adventszeit, auf den Winter und auf die Dinge die nur in dieser Zeit möglich sind. Wir haben das große Glück es jeden Tag aufs Neue hautnah erleben zu dürfen!

Wir bedanken uns bei allen, die sich mit uns verbunden fühlen für geleistete Hilfe, Spenden, Anerkennung, nette Worte und wünschen jedem einzelnen eine besinnliche Adventszeit, schöne Weihnachten und einen guten Start ins Neue Jahr!!!

Liebe Grüße, Nicole Wedell