2012


Januar

Klimaschutz und Kindergarten?

„Wie wird der Winter?“ Das ist eine Frage, die mir immer und immer wieder gestellt wird. – Du bist doch ständig draußen, du musst doch wissen wie der Winter wird!
Dazu gibt es verschiedene Bauernregeln: „Regnet es zu St. Nicolaus wird der Winter streng und Graus.“
„Nach schwarzen Weihnachten folgen weiße Osten.“ usw.

So richtig beantworten kann es aber keiner. Ich sowieso nicht. Ist auch gut so. Aber irgendwie hat sich das Wetter doch verändert. Wird es immer extremer? Gibt es vielleicht spürbar eine Klimaveränderung? Sollten wir persönlich betroffen sein? Was können wir auf die Schnelle tun, damit es nicht schlimmer wird? – „Auf die Schnelle“ erst mal gar nicht. Aber was dann?
Wie wäre es, wenn man vielleicht die Natur kennenlernt. Ihre Stärken und ihre Schwächen verstehen. Natur und Klima hat doch irgendetwas miteinander zu tun, oder? …

Aber was hat Kindergarten mit Klimaschutz zu tun? Das fängt damit an, dass wir nicht mit Stöcken einfach Brennnesseln abmähen. “Nur Brennnesseln, die tun doch weh“, sagt vielleicht jemand, aber es sind nicht nur Brennnesseln. Sie sind zum Beispiel Herberge für Raupen und Co. Es geht darum die Natur zu erhalten. Wir müssen die Brennnessel schätzen lernen. Nur so erhalten wir sie auch.

Es gibt eine feste Regel für uns im Wald: Es wird nichts gepflückt oder gesammelt, ohne Grund.
Der Blumenstrauß für Mama oder Papa wird erst auf dem Rückweg gepflückt, weil die Blumen sonst nicht überleben können. Wir pflücken auch nicht jeden Tag, dann wäre es nichts Besonderes mehr. Wer jeden Tag Blumen bekommt, kann sie nicht als etwas Einzigartiges sehen.
Wenn die Waldkinder spüren, dass es wichtig ist, aus welchem Grund auch immer, die Natur mit all ihrer Vollkommenheit zu sehen, kann man sie vielleicht auch irgendwann aktiv schützen. Aber nur mit dem täglichem Erleben und schätzen, kann es nachhaltig sein.
Wir besuchen nicht den Wald, sondern wir leben (ein bisschen) dort. Zu sehen wie der Farn verwelkt und im nächsten Frühling wieder ausschießt, ist etwas Besonderes. Der steht unter Naturschutz! Der steht unter unserm persönlichen Gruppenschutz!

Mit der Natur leben und gut mit ihr auskommen, ist unser Motto, dann können wir vielleicht nachhaltig etwas zum Klimaschutz beitragen. Wir versuchen es jeden Tag und hoffen möglichst viele mit in den Bann zu ziehen.
Wir freuen uns auf einen schönen Winter im Wald!

Liebe Grüße
Sissel Nielsen


Februar

Die Wunschfee „Rose“

„Was vorstellbar ist, ist auch machbar“ - Ein Zitat von Albert Einstein.

Heute würden wir -19 Kinder und 2 Erwachsene- das bedingungslos unterschreiben. Heute war wieder
einer von diesen „magischen“ Tagen. Alles fing damit an, dass sämtliche Pfützen und Überschwemmungen auf
dem Weg zu unserer Wiese zugefroren waren. Was gibt es da schöneres als dieses Eis zu knacken und der Phantasie freien Lauf zu lassen? Der eine hatte plötzlich einen Papierflieger, die nächste findet einen Außerirdischen, einen Tisch für Zwerge, einen Tennisschläger und…einen Zauberstab!!!
Dieser Zauberstab gehört zu Rose -einer Wunschfee-, die direkt aus dem Himmel zu uns in den Wald geflogen kam. Wenn man Rose nun genau betrachtet und sie ihren Stab schwingt, dann darf man sich etwas wünschen! Das haben wir natürlich auch getan!

Lucca: Alle sollen gesund und munter bleiben!
Lene: Die Bäume sollen wieder so schön wie letztes Jahr sein!
Scorlan: Dass die Tiere immer glücklich sind!
Daaje: Schnee!
Aaron: Allen ein langes Leben!
Elias: Das wir wieder in den Urlaub fahren!
Kerrin: Das ich immer malen kann!
Pelle: Ein LKW!
Jula: Mal wieder ins Schwimmbad fahren!
Natascha: Das Yro im Kindergarten bleibt!
Silas: Ich möchte Schlitten fahren!
Leander: Eine Eisenbahn!
Emma: An den Strand fahren!
Arild: Woody aus ToyStory
Lukas: Das kein Tier sich verletzt!
Erik: Dass die Fahrt nach Dänemark jetzt ist!
Mathilde: Einen Kuscheltierfrosch oder schwimmen gehen!
Julia: Dass die Blumen wieder blühen!
Jana: Ein gutes Neues Jahr!
Sissel: Warme Füsse!
Und Nicole: Das alle diese Wünsche wahr werden!

Die Kinder möchten sehr gerne, „das die anderen Leute im Dorf sich auch mal was wünschen können“ und haben
gemeinschaftlich ein Bild von der Wunschfee Rose gemalt und schicken sie über die Satruper Rundschau zu jedem ins Haus - nur wünschen müsst Ihr selbst!!!

Viel Erfolg und Zauberhafte Grüße
Nicole Wedell


März

Ja, wir sind immer draußen!

Und jetzt erst recht! Wir müssen uns allerdings eine kleine Durststrecke eingestehen. Der Winter ist dieses Jahr etwas spät gekommen und so hatten wir den Dauerherbst, von Juli bis Dezember, wirklich satt! Aber wir sind für die „Wartezeit“ entschädigt worden.Gefrorener Elfensee

EIS – EIS – EIS!!!

Unser Drachensee ist zugefroren, juhu! Eine Eisfläche mitten im Wald. Wir haben sie mit vereinten Kräften vom Schnee befreit. Jetzt kann man nach Herzenslust rutschen und schlittern, oder sogar eine Schneeburg bauen. Traumhaft! Es ist schon erstaunlich wie die Natur uns wieder mal ein neues Abenteuer schenkt. Plötzlich ist alles wieder anders und spannend, obwohl es doch die gleichen Wald-Plätze sind.

Es kam noch besser: Der ganze Elfensee war zugefroren! Der verzauberte Elfensee! Wo wir im Frühling die Elfen tanzen sehen. Die  Elfen sind natürlich Nebelschwaden, die von uns zu Elfen gemacht wurden. Jetzt konnten wir uns alle wie solche fühlen! Wir schwebten über den See und „flogen“ dort hin wo wir schon immer wissen wollten was sich dahinter verbirgt. Zu den geheimnisvollen Grasbüschel  und dem ganze Totholz. Hier brüten im Frühling die Stockenten. Und wir sind so dicht dran.  Auf der anderen Seite vom See besuchten wir noch kurz einen anderen Wald-Platz, den wir sonst nur schwierig erreichen können. War an diesem Tag ganz einfach!

Man haben wir es gut! Keine konstruierten Abenteuer, sondern echte ABENTEUER. Auch wir Erzieherinnen (z.Z. auch eine Praktikantin) finden es immer wieder spannend.

Jeden Tag draußen ist einfach schön!

Winterliche Waldgrüße
Sissel Nielsen


April

Warum jetzt ?!

Das ist eine Frage die mir, als Praktikantin sehr oft gestellt wird. Einmal „reinschnuppern“ in so einen Naturkindergarten, ist ja gut und schön, aber doch nicht jetzt im Winter, wo es so kalt ist.

-Doch gerade jetzt!-

Ich muss ehrlich sagen, ich konnte mir das ja auch nie wirklich vorstellen, dass die IMMER draußen sind und auch noch jede Menge Spaß dabei haben. Aber genau das war für mich der entscheidende Punkt zu sagen, ich möchte den Naturkindergarten im Winter kennenlernen. Sozusagen unter härtesten Bedingungen.

JetzFasching im Waldt, wo ich den größten Teil meines Praktikums schon hinter mir habe, kann ich sehr zufrieden auf die letzten Wochen zurückblicken und weiß dabei, dass war eine sehr gute Entscheidung. Denn, ich muss sagen, es war wohl kalt, aber trotzdem nie zu kalt um Spaß zu haben. Am schönsten finde ich jedoch, wie die Kinder die vielen kleinen und großen Veränderungen in der Natur wahrnehmen und achten. Abgesehen davon, war das Faschingsfest im Wald ein absolutes Highlight für mich. Das war auch immer so ein Thema: „mit den Kostümen in den Wald, das geht doch nicht“. Und ob das geht. Sehr gut sogar!

Außerdem habe ich noch viele andere spannende Sachen in meinem Praktikum erlebt. Unter anderen waren wir einen Tag auf dem Rodelberg, wo wir viel Schlitten gefahren sind und in der Scheune auf dem Hof nebenan gefrühstückt haben, wir sind im Wald auf dem Drachen- und Elfensee Schlittschuh gelaufen und wir haben zum Beispiel eine Brücke im Wald und eine „Drachenhöhle“ aus Weiden auf der Wiese gebaut. All das waren super tolle Erlebnisse, aber letztendlich ist doch jeder Tag ein ganz Besonderer!

Winterliche Waldgrüße
Janina Wiebe


Mai

Vorurteile

„Es ist leichter ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil“ sagte Albert Einstein und ich stimme ihm zu.

Das mit dem Atom hab ich noch nicht versucht, aber die „Vorurteile“ gegenüber dem Naturkindergarten begleiten mich hartnäckig seit dem ersten Tag. Über „Friert ihr denn gar nicht?“, „Wird es nicht langweilig?“ oder „Basteln im Wald geht ja nicht…“ kann ich schmunzeln, und zugegebenermaßen - früher konnte ich mir das auch nicht wirklich vorstellen: immer draußen, ohne Spielzeug, Tisch und Stühle…doch ich wurde eines besseren belehrt.

Ich bin davon überzeugt, dass das tägliche er-leben in der Natur den Kindern ein Fundament bietet, wie man es nicht mit “viel Geld noch guten Worten“ anderswo initiieren kann!!! Damit meine ich nicht das „bespielte draussen“ sein - auf voll ausgestatteten Spielplätzen oder mit der Zeit im Nacken (um 15.30 Uhr fängt Fußball, Ballett etc. an) - nein, echte Naturerlebnisse, ohne Zeitdruck, Spielzeug, Tisch und Stühle. Die sind Gold wert, unbezahlbar. Ich würde es mir für jedes Kind wünschen.

Aus dem anfänglichem “schmunzeln“ über die „Immer draussen?“-Fragen wird schnell ein „schmollen“, spätestens dann, wenn die Vorurteile in Richtung: “Beim Naturkindergarten braucht man sich gar nicht erst anmelden - man kriegt eh keinen Platz“ gehen. (Dieses Jahr geben wir 11 Kinder in die Schule und haben aktuell noch Plätze frei!), „Wie sollen denn die Kinder in der Schule ruhig sitzen, wenn sie immer nur durch den Wald toben?“ (Die Rückmeldung der Lehrer/innen ist durchweg positiv. Die Waldkinder sind ausgesprochen konzentrationsfähig, selbstbewusst und sozial.), “Für mein Kind ist das nichts. Sie spielt so gerne mit Puppen und friert auch immer.“ (Jedes Kind hat eine natürliche Neugierde daran zu erfahren wie die Welt funktioniert – sie wollen sie be-greifen, mit allen Sinnen erfahren und das geht nicht in erster Linie über künstlich hergestelltes Spielzeug oder Bücher.

Alle, die sich informieren möchten oder Fragen haben, laden wir zu unserem Elternabend ein, am

Mittwoch, den 09.05.2012 um 20.00 Uhr im Kulturzentrum Satrup

Wir freuen uns neue Gesichter zu sehen und ganz viele Fragen zu beantworten oder Vorurteile aufzulösen. Ebenso freuen wir uns natürlich auf unsere „Alten Hasen“ in gewohnt netter Stimmung, die einige Fragen wahrscheinlich sogar besser beantworten können als wir.

Wir sind über das Waldhandy: 0170/2959282 zu erreichen oder unter www.naturkindergarten-satrup.de

Bis bald und frühlingshafte Grüße,
Nicole Wedell


Juni

Brief von "Bauer Peter"

„Hallo, Bauer Peter!“, ruft es morgens, wenn ich über den Hof laufe und die ersten Kinder in den Kindergarten kommen. Aber nicht nur hier, sondern auch im Dorf werde ich oft so fröhlich begrüßt.

Auch wenn unsere Kinder schon lange in der Schule sind, genieße ich jedes Jahr von neuem das Leben und Treiben der Kleinen hier auf dem Hof und im Wald. Das Spielen auf der Wiese und im Wald, sowie das Erleben der Jahreszeiten,
des Wetters und auch der Landwirtschaft bei uns, erinnern mich an meine eigene Kindheit und die unserer Kinder. Bei denen können wir sehen, dass der Naturkindergarten den Grundstein für die Beschäftigung in
der Natur gelegt hat, die wohl ein ganzes Leben anhält.

Für die vielen Einladungen zu Euren Festen, die netten Geschenke und all das liebevoll Gebastelte, möchte ich Euch allen „Danke“ sagen. Aber ganz besonders freue ich mich immer wieder über die vielen kleinen Erlebnisse mit euch zwischendurch, die hier gar nicht zu beschreiben sind!

Fröhlich grüßt Euer Bauer Peter und der Rest der Familie Espermüller.


Juli

DANKE, dass es euch gibt….

Tatsächlich sind nun 3 Jahre Wald-Kindergarten vorbei! Für uns, die Eltern der 11 Vorschulkinder, noch gar nicht zu glauben. Wir möchten diese Gelegenheit gerne nutzen und einen kleinen Einblick in das Geschenk „Waldkindergarten“ geben.

In den ganzen Jahren haben wir als Eltern immer das Gefühl gehabt dazu zu gehören, dabei zu sein und unsere Kinder intensiv durch Ihre schönste Zeit begleiten zu können. Es ist einfach auch „unser Kindergarten“.

Aus den anfänglichen Zweifeln und Bedenken zum Thema Waldkindergarten ist sehr schnell die Gewissheit gefolgt, unseren Kindern genau das Richtige gegeben zu haben. Gelassenheit, Ruhe, Selbstbewusstsein, Konzentration
und ihre Wahrnehmungsfähigkeit sind wirklich nur Stichworte, die die Stärken unserer Waldkinder beschreiben. Unsere Kinder „er(leben)“ ihre Umgebung im Wald sehr bewusst, was mit Sicherheit ihre Aufmerksamkeit auch im Hinblick auf das schulische Lernen fördert.

Ein Dankeschön an euch, liebe Nicole und liebe Sissel , in Worten auszudrücken, ist fast nicht möglich. Ohne eure Liebe und Freude, euer Engagement, euer Vertrauen und eure Motivation wären unsere Kinder nicht das, was sie heute sind!
Ihr habt jedes einzelne Kind in seinen Stärken motiviert und Ihnen gezeigt, wie sie ihre Lernfelder managen können. Ihr habt unseren Kindern eindrucksvoll vermittelt, dass kleine „Schwächen“ offen kommuniziert zu echten Stärken werden!
In den 3 Jahren Wald habt ihr ein stabiles Fundament gelegt, welches unsere Kinder ihr Leben lang begleiten wird. Durch diese wundervolle Zusammenarbeit mit euch haben wir glückliche und starke Kinder, die wir gerne und mit einem guten Gefühl in die Schule geben können (auch wenn der Abschied uns und den Kindern sehr, sehr schwer fällt).

So verschieden unsere 11 Schuli`s auch sind, sie haben doch alle etwas gemeinsam:
unser Waldkindergarten hat sie „Kind“ sein lassen!

Für uns alle ist klar, dieser Kindergarten war ein großes und einmaliges Geschenk für unsere Kinder und für uns. Dafür sind wir unendlich dankbar!

Wir möchten uns von ganzem Herzen bei Karsten Nielsen bedanken, ohne dich wäre der neue Sandkastenbau so schnell nicht möglich gewesen.

Die Waldeltern der 11 Schuli`s 2012


September

Willkommen!

Wir möchten alle Kinder zum neuen Kindergartenjahr willkommen heißen! Die Ferien sind vorbei jetzt geht es wieder los!
Die „Alten“ begrüßen die „Neuen“ ganz herzlich:
Die große Anna, den schnellen Dennis, die -„ich weiß was ich will“- Maja, die beobachtende Pauline, den lachenden Marcel und den kleinen Max!

KiGa-Kinder 2012Eine ganz neue Gruppe! Nachdem wir 11 Kinder in die Schule entlassen haben, ist die ganze Gruppe komplett auf den Kopf gestellt worden. Nichts ist wie es mal war. Die Großen sind weg, an die sich die anderen anlehnen konnten, die auf einen aufgepasst haben. Die Neuen lernen den Zauber des Waldes erst langsam kennen. Auch für uns Erzieher ist es ein ganz neues Gruppengefühl.
Die alte Familie hat sich verabschiedet und nun wächst eine neue. Super spannend! Zum Glück sind wir in der Startformation nicht in voller Gruppenstärke. 14 Kinder (in einer Woche das 15. Kind) ist für alle
ein Traumstart. Im Frühjahr kommen noch zwei dazu. Und dann sind wir eigentlich vollständig. Wir hätten allerdings noch zwei Plätze frei. Da wir das Gleichgewicht der Altersstruktur gerne behalten möchten, können wir
nur bis 30.06.2009 Geborene, in unsere „Familie“ aufnehmen.
Aber zunächst sind wir mit unserer Gruppe voll dabei. Die Frösche auf unserer Wiese sind immer geduldige „Mitspieler“. Es ist gar nicht so einfach die Feinmotorik darauf aus zu richten, dass der Frosch nach der Behandlung noch lebt. Die wollen immer weg hüpfen und man will sie nur festhalten. Aber alles übt sich. In unserer Froschtonne wird zunächst ein sicheres „Versteck“ aufgebaut und dann geht es an das Frösche fangen. So tasten wir uns langsam an alles Neue heran.

Wir wünschen allen Kindern und uns wunderschöne Walderlebnisse und noch einen netten, warmen Spätsommer zusammen.

Sommerliche Grüße von Sissel Nielsen

P.S.: Das Frösche fangen müssten alle ehemaligen Waldkinder kennen. Vielleicht wollt ihr euch zurück erinnern? Damals im Wald…(die ersten Wald-Jahrgänge vielleicht…). Wir planen nämlich ein großes und umfangreiches Projekt (später näheres) und würden gerne Ehemalige zu einem Rundentisch auf der Wiese einladen (am Sa. den 08.09.12 um 10 Uhr).


Oktober

Der erste Eindruck

Überall gibt es erste Eindrücke, ob in der Musik, im Film oder anderen Bereichen. Ich werde aber weder von Musik noch über Filme reden, naja eher schreiben, ich werde ihnen von meinem ersten Eindruck vom Naturkindergarten Satrup erzählen. Aber erst mal ist es -glaub ich- eher angebracht sich vorzustellen. Ich bin Nico, 16 Jahre alt und mache ein Jahr Praktikum im Kindergarten. Ich glaube mehr braucht man nicht zu wissen, schließlich geht es um meinen ersten Eindruck im Kindergarten und nicht speziell um mich.

Also kommen wir jetzt zum Thema, mein erster Gedanke stimmt größten Teils überhaupt nicht mit meinen Vorstellungen überein…  „Ein paar Kinder am Vormittag zu hüten und das nur Montag bis Freitag und mehr auch nicht“ so war der Gedanke, ich weiß ziemlich leichtgläuberisch. Aber es war alles ganz anders und ich bin sehr froh darüber.
Jeden Tag lerne ich immer was neues dazu, ich bin immer an der frischen Luft und ich lerne auch ganz neue Waldplätze kennen, einer Schöner als der andere. Besonders angetan hat mir der Elfensee oder das Sofa, wo in der Nähe ein Toter Baumstamm in einer Lichtung liegt. Das sieht so richtig aus wie in einem Filmset.

WaldkinderAber ich habe ja nicht nur den Wald in seiner Schönheit gesehen, auch den Kindern beim Spielen zuzusehen ist einfach unbeschreiblich, wie sie sich mit ganz einfachen Dingen wunderbar beschäftigen können. Am meisten Spaß macht es aber den Kindern bei der Froschjagd zu zusehen und sie alle zum gerade entdeckten Frosch laufen zu sehen, der mit dem Wort „Froschalarm“ bekannt gegeben wird. Oder wenn sie aus Lehm irgendwelche lustigen Figuren basteln oder sie die Ritterburg besetzten und alle möglichen Spiele darauf spielen. Das was man da sieht ist einfach unbeschreiblich schön, auch wenn es mal Stress gibt ist der eigentlich immer schnell beseitigt und dann wird einfach weitergespielt.

Eine Sache gibt es die auch ich nie gedacht hätte: und zwar das man nach den vier Stunden so fertig sein kann, zumindest geht das mir so, aber das liegt glaub ich eher daran, dass ich die vielen Spaziergänge und Kinder nicht so gewohnt und noch eher ein „Frischling“ bin. Aber inzwischen habe ich mich auch schon eingearbeitet und ich halte länger durch als am Anfang, ist aber trotzdem anstrengend.

Ich fasse zusammen, mein erster Eindruck sieht so aus: Der Naturkindergarten Satrup ist eine anstrengende, aber sehr schöne und auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Und ich möchte ich mich auch nochmal bei den beiden Erzieherinnen, Sissel und Nicole, bedanken, dass sie mir die Chance dazu geben und ich möchte mich auch bei den Kindern bedanken, dass sie mich so schnell aufgenommen haben.

Nico Zimmermann, Praktikant


November

Wer hat an der Uhr gedreht?

Eine Woche Herbstferien liegen hinter uns. Eine Woche, in der ich mit meiner Familie ganz bewusst den „goldenen Herbst“ erleben wollte. Mit ganz viel Zeit und ganz viel Besinnlichkeit. Auftanken und einfach nur genießen…Natürlich war es sehr schön, erholsam und wir haben viel erlebt, aber dieses tiefe Gefühl, das A-ha Erlebnis auf das ich während des Urlaubes so gewartet habe kam heute, an meinem ersten Arbeitstag. All die
leuchtenden Augen und strahlenden Gesichter, morgens um 8.30 Uhr auf dem Bauernhof Espermüller dass es endlich wieder losgeht…

Als wir dann in den Wald gingen war es ein Gefühl von Wohligkeit. Der Waldboden strahlte uns orange entgegen, es roch intensiv nach Pilz und in der Luft lag der unverkennbare echte Herbst. Wo war er letzte Woche? Wieso habe ich ihn nicht gesehen, gerochen, gespürt? Vielleicht war ich mit meinen Gedanken doch zu sehr bei all den Dingen die ich im Urlaub noch erledigen könnte.
An einem Warteplatz haben wir geraume Zeit auf die Kinder gewartet, die endlos lange damit beschäftigt waren Stöcker über eine Pfütze zu legen. Sie wirkten so unglaublich zufrieden und glücklich mit dieser scheinbar unwichtigen Aufgabe. Und das war genau der Zeitpunkt, an dem der innere Frieden auch bei mir einkehrte. Vergessen waren anstehende Termine, wichtige Erledigungen und das Warten auf etwas - ich beobachtete und genoss einfach…Es ist dann wirklich so als hätte jemand die Zeit angehalten.

Ich bin ge-rührt, be-rührt und voller Dankbarkeit, dass diese kleinen Wunder meinen Alltag begleiten!!!

Herzliche Grüße Nicole Wedell


Dezember

Weihnachten im Wald

Die Zauberzeit beginnt. Es wird früh dunkel, überall glitzern die Lichterketten, eine gewisse Vorfreude macht sich breit. Alles wird geheimnisvoller, ob die Wichtel uns wirklich beobachten? Was wünsche ich mir vom Weihnachtsmann? Einfach aufregend!

Diese erwartungsvolle Stimmung macht sich auch im Wald bemerkbar:
„Wann fällt der erste Schnee? Wann schmücken wir unsere Hütte? Gibt es in diesem Jahr auch wieder Gestecke für Zuhause? Wie sieht es mit dem Nikolaus aus? Ob der dieses Jahr wieder so frech ist und uns die Socken klaut, um sie dann im Wald aufzuhängen und mit Überraschungen zu füllen? Ich werde dies Mal meine Sockenschublade genau im Auge behalten. Ach ja… den Weihnachtskalender hätte ich fast vergessen! Wie der wohl aussehen wird? Ich fand die kleinen roten Säckchen so feierlich. Meine Namensnuss wurde letztes Jahr leider sehr spät gezogen, vielleicht bin ich ja dieses Jahr früher dran? -Hoffentlich!!!- Denn, wenn meine Nuss gezogen wurde, darf ich ein Kalendersäckchen abschneiden. -Schön!“

„Ob die Tiere sich auch auf Weihnachten freuen? Das tun sie bestimmt. Die bemerken vielleicht wie wir geheimnisvoll durch den Wald streifen. Wir suchen nämlich nach Spuren. Nach Tierspuren, die wir nur im Schnee finden, oder sogar nach Wichtelspuren. Wenn es irgendwo raschelt, war das ein Tier oder etwas anderes? Wenn die Tiere nur wüssten was wir alles vorhaben…Märchenerzählerin, Familienkerze, das Licht von Betlehem, Tannenbaum schmücken, Weihnachtsgeschenke basteln… aber vielleicht wissen sie es schon—Mmmh--. Denn die können uns immer belauschen, wenn wir zu unseren Waldplätzen gehen und von Weihnachten sprechen.“

„Ich freue mich so auf die spannende und verzauberte Zeit!“

Vorfreude ist immer das Schönste. Wir wünschen allen eine geheimnisvolle und (so gut es geht) besinnliche Weihnachtszeit!

Liebe Waldgrüße, Sissel Nielsen


Dezember II

Rückblick 2012

Kaum zu glauben aber wahr - da ist das Jahr 2012 schon wieder fast vorbei…Beim "Revue passieren lassen" merke ich, was für ein ereignisreiches und spannendes Jahr es war.
Gleich zu Beginn des Jahres fing Janina´s 10-wöchiges  Praktikum bei uns an. Es war sehr bereichernd für uns alle aber nichts desto trotz bringt es erst mal Unruhe in eine Gruppe, wenn jemand Neues dazukommt. Man kann es sich ungefähr so vorstellen, wie wenn Besuch von weiter weg für ein paar Tage bleibt. Wir hatten auch wieder etwas Schnee (kein Vergleich zu den beiden Jahren davor) und haben „unseren Winter-Wald“ genossen.

Highlight war sicherlich das Faschingsfest mit tollen Spielen, klasse Kostümen und einem super-Büffet. Wir haben mit den Kindern die Wanderausstellung “Vögel im Wattenmeer“ in der Regenbogenschule besucht, haben Anne und dem Biohof Ankersolt einen Winterbesuch beschert und waren zum Bilderbuchkino in der Bücherei, bevor dann langsam der Frühling erwacht.
Das Osterfest konnten wir bei bestem Wetter auf der Wiese feiern. Die Kinder haben ein tolles Theaterstück aufgeführt, viele, viele Eier angemalt und die gebastelten Osternester schließlich (gefüllt) gefunden.
Nach den Ferien waren wir in Sörup beim Umwelttheater und haben anschließend bei uns im Wald tüchtig Müll gesammelt. Ende April stand dann auch schon wieder der Frühlingstermin auf Ankersolt an.

Anfang Mai konnten wir eine ganze Woche lang einen Klassenraum der Regenbogenschule nutzen und unsere 11 Großen bekamen ein Gefühl dafür, wie es in der Schule so abläuft. Den Auftakt zu dieser Schulwoche lieferte ein Besuch in der königlich-privilegierten Apotheke, wo Herr Weinschenk uns eine tolle Führung durch die ganze Apotheke bot und wir unsere Heimwehtropfen für die anstehende Schulifahrt bestellt haben. Nach einem wunderschönen Muttertagsfrühstück, einem Fahrzeugtag bei Super-Wetter und einem ganz besonders tollem Oma/Opa-Tag ging es Ende Mai zur Schulifahrt ins Schloß Gottorf.

Wir durften uns mit den schloßeigenen Kostümen in Prinzessinnen und Prinzen verwandeln, haben im Saal gespeist, einen barocken Tanz gelernt und diesen im Kronleuchterzimmer zum Besten gegeben. Geschlafen haben wir in der Jugendherberge und ich glaube dieses schöne Event bleibt uns allen lange in schöner Erinnerung.

Unaufhaltsam war nun auch der baldige Rausschmiss unserer Großen, immerhin 11 an der Zahl und so richtig wollten wir es nicht wahrhaben. Das letzte Mal gemeinsam zur Strandwoche, das letzte Mal zu Anne und all den Tieren auf Ankersolt und das letzte Mal zelten.
Am Tag des Zeltens haben die Kinder ihr “Abschlußprogramm“ präsentiert und kaum waren sie damit fertig öffnete der Himmel seine Schleusen und es fing kräftig an zu regnen. Die ganz Harten hat das jedoch nicht abgeschreckt die Nacht am Wald zu verbringen.

Ende Juni hieß es dann: “Tschüss macht’s gut…“! Wir mussten uns von einem Großteil „unserer Kinder“ trennen und das war wirklich traurig und von vielen Tränen begleitet. Selbst wenn man sich ganz sicher ist ihnen das nötige Rüstzeug mit auf den Weg gegeben zu haben, lässt man seine Küken nur ungern ziehen.

Glücklicherweise waren dann erst mal 4 Wochen Urlaub. Im August starteten wir dann mit einer völlig neuen Gruppe, 8 alte Hasen sind uns geblieben, 8 neue kamen dazu, ebenso Nico unser Jahrespraktikant. Die ersten Wochen vergingen wie im Flug - so viel gab und gibt es zu entdecken.
Ende August bekamen wir Besuch vom Zahnputztheater und auch die Zahnärztin kam zu uns in den Wald. Wir haben Apfelmus und Brombeermarmelade gekocht und gegessen, haben unser Ernte-Dank-Fest gefeiert, waren beim Bilderbuchkino, zum Herbsttermin auf Ankersolt, hatten ein superschönes Laternelaufen, zu dem auch wieder viele Ehemalige gekommen sind, waren in der Kirche und haben ein Licht für unsere Familienkerze geholt, hatten Besuch von einer Märchenerzählerin, die uns mit einem Weihnachtsmärchen die Adventszeit versüßt hat, Besuch vom Nikolaus und eine schöne besinnliche Vorweihnachtszeit… Außerdem haben wir über das Jahr verteilt an etlichen Fort-und Weiterbildungen, sowie an vielen Netzwerktreffen mit anderen Einrichtungen teilgenommen.

Bestimmt habe ich das eine oder andere vergessen, aber ich glaube es wird deutlich, dass wir nicht nur im Wald sind, sondern das Leben in all seinen schillernden Facetten erleben und genießen. DANKE an alle, die dazu beigetragen haben!!!

Allen einen guten Start in 2013 !!!                                                                                                          Herzliche Grüße Nicole Wedell