2014


Januar

Rückblick 2013

Das vergangene Jahr stand bei uns ganz im Zeichen des Frosches. In den Berichten der Rundschau haben wir regelmäßig über das länderübergreifenden Projekt „Bildung zur nachhaltigen Entwicklung“ berichtet .Wir haben uns dieser Spezies mit Lebensraum, Lebensbedingungen, Gefährdung und Schutzmaßnahmen, Nutzung, Globalität und Publikation angenommen. Gemeinsam mit unserem Super-Förster Udo Harriehausen haben wir viele Exkursionen unternommen, aber auch das Leben der Frösche bei uns im Wald und auf der Wiese „studiert“. Für alle Beteiligten war es eine Zeit, die nachhaltig in glückseliger Erinnerung bleibt! Besonders anrührend fanden wir die Begeisterung auf Seiten der Eltern, Ehemaligen und “Frosch- infizierten“, ebenso die gute Kooperation mit den unterschiedlichsten Institutionen. Unser Skript für das Fachbuch liegt auf dem Schreibtisch des Herder-Verlages, im Frühjahr 2014 wird es veröffentlicht.

Ich möchte mich bei allen die irgendwie dazu beigetragen haben ganz, ganz herzlich bedanken. In besonderem Maße bei „unseren“ 18 Kindern, die uns täglich mit Echtheit, Begeisterung, Neugierde und Überraschungen
„beglücken“!

2013 haben wir die 4 Jahreszeiten deutlicher als je zuvor wahrgenommen. Angefangen mit einem scheinbar nicht enden wollendem Winter. Schnee, Eis und frostige Temperaturen bis in den April hinein. Unsere Ostereier haben wir im Schnee gesucht (und gefunden)! Der Frühling hätte schöner nicht sein können. Das erwachen der Natur jeden Tag hautnah er-leben zu dürfen, jeden einzelnen Sonnenstrahl aufzusaugen, jeden Käfer, jede Blume mit Faszination (wieder) zu entdecken ist ein ganz großes Geschenk.

Und auch der Sommer machte seinem Namen alle Ehre! Viele sonnige Tage haben wir auf der Wiese und im Wald genossen (das ist die Zeit, in der viele Leute sagen: „So einen Job möchte ich auch haben…“) Der Herbst kam sehr milde, sehr golden daher bis zum Sturm „Christian“…Auf unserer Wiese hat er glücklicherweise keinen Schaden hinterlassen, sodass wir direkt wieder “raus“ konnten und nicht wie viele andere Waldkindergärten Tage, Wochen und sogar Monate in irgendwelchen Notunterkünften bzw. auf unterschiedliche Spielplätze ausweichen mussten. Den Wald durften wir natürlich nicht betreten, zumindest solange, bis der Hauptweg wieder „verkehrssicher“ war. Die erste „Inspektion“ kam einem Horrorszenario gleich. Es ist unvorstellbar, was da für Kräfte gewaltet haben! Riesige, stattliche Bäume-umgeknickt wie Streichhölzer oder komplett entwurzelt! Sofaplatz, Froschplatz, Rehplatz, die neue Waldbühne, der Froschpfad und unser geliebter Elfensee-verwüstet und teilweise nicht wieder zu erkennen. Da ist schon die eine oder andere Träne geflossen.

Täglich hören wir die Motorsägen und sehen fleißige Waldarbeiter die Stück für Stück, Baum für Baum das Chaos bearbeiten-und trotzdem, bis wir uns dort wieder aufhalten können, werden sicher noch einige Monate vergehen.
Wir alle hoffen, dass es dem Wald“ nicht allzu weh getan hat“... Derweil warten wir nun erst mal auf den Winter. Er muss ja nicht ganz so heftig ausfallen, aber Frost und Schnee sind uns sehr willkommen!!!

Wir wünschen Euch allen einen guten Start ins neue Jahr! Unser Tipp für gute Vorsätze: „Raus in die Natur!!!“

Herzliche Grüße
Nicole Wedell


Februar

MATSCH!!!

Unser Winter sieht jedes Jahr anders aus. Letztes Jahr konnten wir uns schon im Oktober vor lauter Schnee nicht retten. Dieses Jahr haben wir vielleicht drei Schneeflocken gesehen und gefühlt und es ist der Monat Januar.
Aber dafür gibt es ja zum Glück den MATSCH!
„Oh, wie sind die Pfützen schön tief!“
„Oh, guck mal wenn ich ganz oft hin und her laufe, dann haben wir eine Matschsuppe, mmh schön cremig!“
„Ups, mein Stiefel sitzt im Matschloch fest…“
„Ups, jetzt habe ich den Fuß aus dem Stiefel gezogen…“
„Oh, die Socke ist matschig, hihi!“
Matsch von oben bis unten. Herrlich, wenn man richtig angezogen ist. Wasserdicht ist ein absolutes Muss! Für jede Mutter, Vater oder Oma eine Herausforderung beim Einkleiden der Kleinen. Denn es ist zu allem Überfluss auch noch kalt… Aber unsere Mütter sind nach diesem Winter garantiert Profis!

MATSCH eine schmierige, labberige Angelegenheit. Viele nennen es auch ganz einfach Dreck. Aber dieser Dreck ist nicht einfach Dreck. Er ist MATSCH! Wie fühlt sich Matsch an? Warm oder kalt? Krümelig oder cremig? Wie riecht Matsch? Stinkt er nach moder oder nach Waldboden? Riecht er mehr an wärmeren oder an kälteren Tagen? Wann ist die Konsistenz so beschaffen, dass die Stiefel steckenbleiben? Kann man das wiederholen? (Ja, kann man…)
Was man oft mühsam konstruieren muss, um solche Erlebnisse zu erfahren, da könnten wir im besagten Element baden. Was auch manche hin und wieder, gewollt und ungewollt tun.
Erschwerte Bedingungen sind allerdings unsere Temperaturen. Die sind z. Z. sehr bescheiden und man kann nur begrenzt die Finger im Matsch verschwinden lassen. Wann halte ich es nicht mehr aus? Wann ist der Zeitpunkt gekommen doch kurz mal die Hände in die Handschuhe zu stecken? Zum Glück haben wir ja die gefütterten Stiefel, mit denen man wunderbar jedes Matschloch mitnehmen kann. Der eine fährt wie ein großer schwerer Trecker hindurch, der nächste rast wie ein Rennauto und dann werden die PS ausgehandelt.
Wer keine Lust auf Fahrzeuge hat, kann sich auch gerne ein Matscheis am Stiel am Eisverkaufswagen (Frau Shopper) kaufen. Mit Matschgeld versteht sich.
„Was für ein Eis möchtest du?“
„Warte, ich muss mit Bolli (unseren Bollerwagen) schnell durch die Matsche, Nicole und Sissel gucken gerade nicht!“
„Das spritzt so super!“
„Noch ein letztes Mal rein springen, bevor ich abgeholt werde!“
„Tschüss, bis morgen!“
Also: MATSCH IST SUPER!! (meistens…)
PS an alle Mütter: Es kommen auch noch andere Zeiten! Ihr schafft das!

Liebe Waldgrüße, Sissel Nielsen

 


März

Ist doch nur ein Stock???

Neulich durfte ich folgende Situation beobachten: Emma und Maja versuchen Eis aus einer PET-Seltersflasche zu bekommen. Erst wird geschüttelt, gedrückt, gekratzt. Es will nicht so recht klappen. Emma sucht einen geeigneten Gegenstand, findet ihn und siehe da, es funktioniert. Über die anfängliche Freude gerät Maja schnell ins zweifeln:“Emma, das war Lines Stock!“ Betroffenheit macht sich breit:“Oh nein, das habe ich nicht gewusst, er lag da auf der Bank-oh man, Entschuldigung…“.
Echte Betroffenheit- wegen einem Stock. Es ist ja nun nicht so, dass wir einen Mangel an Stöckern hätten im Wald, nein, wir leben in einem wahren Stöckeparadies und doch sind es oft die Objekte der handfesten Konflikte. Das liegt nicht etwa daran, dass wir nichts anderes hätten mit dem sich die Kinder beschäftigen könnten, sondern vielmehr an der „stillen Magie“ die von so einem Stock ausgeht. Kein Stock gleicht dem anderen und durch individuelle Bearbeitung machen sie ihn zu ihrem Stock. Hier etwas rein geritzt, etwas abgesägt oder abgebrochen, eine Wollkordel drumgewickelt, mit Blättern geschmückt - wie auch immer, die Kinder verändern seinen Ursprungszustand, sie hinterlassen Spuren!
Das ist mit Industriell hergestelltem Spielzeug denkbar schwierig-wenn nicht unmöglich. Nicht selten nehmen die Kinder besondere Stöcke mit nach Hause, am nächsten Tag wieder mit in den KiGa und spielen, nutzen und hüten ihn so über einen- für uns Erwachsenen- unvorstellbar langen Zeitraum. Wenn dann ein Kind mit Krokodilstränen und sichtbar traurig vor uns steht, weil der Stock weg ist, liegengelassen, kaputt oder „geklaut“ wurde, dann spürt man ganz deutlich: Es ist eben nicht nur ein Stock! Und „such Dir einfach einen Neuen“ ist auch leichter gesagt als getan- denn Stock ist nicht gleich Stock! Rau-glatt, dick-dünn, leicht-schwer, gerade-krumm, jung-alt…Telefon, Motorsäge, Zauberstab, Funkgerät, Suppenlöffel, Malstock… Es gibt Stöcke, die riechen nach Gurke, andere nach Knoblauch, wieder andere nach Pilz. Aber eines haben alle Stöcke gemeinsam: Sie regen alle unsere Sinne an; sehen, hören(trockenes Holz klingt heller), tasten/fühlen, Geruch, Bewegung und selbst das schmecken (Stockbrot)!

Stöcke erweitern den Wortschatz und fördern die Sprechfreude, denn im Rollenspiel muss regelmäßig neu besprochen werden, ob es nun gerade ein Schwert, ein Scheibenwischer oder eine Polizeikelle ist. Stöcke regen wie kaum ein anderes Medium die Fantasie an. Stöcke stärken die Selbstwirksamkeit und somit das Selbstvertrauen, sie lassen die Kinder „tun und handeln“ ohne Anleitung von Großen. Sie lassen Kinder zu Konstrukteuren werden, Tipis werden gebaut, Waldsofas, Elfenhäuser, Rennbahnen etc. Stöcke werden als Werkzeug genutzt, gerne auch als Messstab für Pfützen. Sie dienen uns auf hervorragende Weise zum erlernen von mathematischen Verständnis (welcher Stock ist länger, welcher dicker, wer hat mehr Stöcker…) Sie sind unglaublich bereichernd, aus unserem Alltag nicht wegzudenken und wenn ihr Euch mal die Zeit nehmt einen Stock genauer zu betrachten und ihm zuhört, dann erzählt er Euch vielleicht seine Geschichte…   

Liebe Grüße aus dem Wald,
Nicole Wedell


April

Unser Dachs

Ja, wir haben einen Dachs im Kindergarten! Das kann nicht jeder behaupten, wir aber schon! Wir haben natürlich auch Rehe, jegliche Vogelarten (z.Z. ist immer wieder der Specht zu hören), Mäuse usw. Aber der Dachs ist etwas Besonderes! Es ranken sich immer wieder spannende und auch gruselige Geschichten um den Dachs. Er agiert im Verborgenen und ist schwer ausfindig zu machen, ist schlau und gefährlich?
Irgendwie ist das spannend! Den wollen wir besuchen.
ABENTEUER!
Zunächst mussten wir den Hauptweg gehen. Dort schlugen wir unser Basislager auf, frühstückten und dann auf zur Spurensuche in den Wald. Er lebt nicht gerne in der Nähe von uns Menschen, von daher machten wir uns auf den „weiten“ Weg.
Im Moment ist so viel Wasser im Wald, dass die kleinen Bäche unüberwindbar sind. Wir müssen aber auf die andere Seite, sonst kommen wir nicht zum Bau. Wenn man Glück hat findet man Bäume, die zufällig eine Brücke bilden. Aber Vorsicht! Langsam im Sitzen hinüber rutschen. Alle konnten die Hürde überwinden, - weiter… Wo lebt er denn? Langsam nähern wir uns! Alle sind leise, denn der Grimbart schläft tagsüber. Wir wollen ihn ja nur besuchen und nicht stören. Es wird hügeliger dann müssten wir eigentlich da sein. Denn der Dachs gräbt seine Bauten in leicht hügelige Flächen.

DA! Einer aus unserer Expeditionsgruppe hat den ersten Eingang gefunden! – SchSch – leise… Vor dem Bau liegt frische Erde!
DA! Spuren! Wir zählen die Krallen –eins-zwei-drei-vier-fünf! Ja, hier lebt unser Dachs! Wir haben ihn gefunden! Wo sind die anderen Eingänge? Wir teilen uns auf und zählen. Nach einer ganzen Weile sind 15 Eingänge entdeckt worden. WOW! So viele! Da geht es ganz schön tief in die Bauten hinein! Einer unserer kleineren Expeditionsteilnehmer ist das doch etwas unheimlich, aber als er hört, dass das Lieblingsessen der Dachse Regenwürmer und Käfer sind, lockert sich seine verkrampfte Hand. Ach so! Der Speiseplan der Dachse beinhaltet natürlich auch kleine Nagetiere und Beeren. Also alles harmlos für uns.

Na gut, dann haben wir jetzt noch einen Freund im Wald, den wir schützen müssen. Wir fangen gleich damit an und halten Ausschau nach Müll, nichts gefunden, und dann müssen wir auch gehen, um ihn nicht weiter zu stören.
Am Basislager angekommen trinken wir etwas und satteln die Rucksäcke, um uns auf den Heimweg zu machen. Die Sonne steht jetzt hoch am Himmel (Mittagszeit), scheint durch den Wald und wärmt unsere Rücken. Ob unser Dachs auch die Wärme spürt? Am Hof angekommen werden wir von unserem Expeditionsbasispersonal freudig empfangen.

Liebe Waldgrüße, Sissel Nielsen


Dezember

DANKE!!!

Neulich habe ich eine Mutter aus dem Geburtsvorbereitungskurs meines mittlerweile 14-jährigen Sohnes getroffen. Sie fragte mich, wie viele Kinder wir denn mittlerweile haben. „18“ war die spontane Antwort- gedanklich wohl beim Kindergarten.
Vormittags heißt „meine bessere Hälfte“ Sissel. 18 Kinder, Yro -unser KiGa-Hund- und der Wald runden unser Glück ab. Nachmittags geht’s dann (mit Yro) „zur besseren Hälfte“ Marko, zwei eigenen Kindern und eigenem Haus. (Nein, ich wohne nicht im Wald und auch nicht mit Sissel) Ein Leben, aber manchmal zwei Welten. Am Vormittag scheint die Zeit oft still zu stehen. Wir können und dürfen uns oft stundenlang damit beschäftigen, einen Blätterhaufen von A nach B zu befördern, Tiere zu beobachten, Staudämme zu bauen, etc…Diese Zeit ist unendlich kostbar !!! Hier kann sich niemand „verstecken“, Konflikte werden angegangen und gelöst. Wir fühlen uns als große Familie.
Die 18 kleinen Wichtel sind uns so ans Herz gewachsen und wenn im Sommer der Rausschmiss naht, dann ist es oft ein schmerzlicher Abschied. Doch „die Neuen“ stehen schon in den Startlöchern und gerade die Anfangszeit birgt einen unbeschreiblichen Zauber in sich.
In diesem Jahr fand sich die Gruppe schneller als je zuvor. Vielleicht liegt es daran, das von 5 Neuen Kindern 4 Geschwister sind? Nun neigt sich diese schöne Jahr-2014- auch schon dem Ende. Beim „Revue passieren“ bleibt unterm Strich nur ein Gefühl -Dankbarkeit! Für die weltbeste Kollegin, die tollsten Kinder, die nettesten Eltern, den besten Hund, den freundlichsten Bauern, den aufmerksamsten Vorstand, den bemühtesten Förster, dem wandlungsfähigsten Praktikanten, den interessiertesten Mitmenschen und dem wohlwollensdem Wetter aller Zeiten.

Ich danke einfach allen von ganzem Herzen, die zum Gelingen des Naturkindergarten Satrup. e.V. beitragen und wünsche Euch einen guten Start ins neue Jahr!!!

DANKE!

Liebe Grüße, Nicole Wedell