2017


Januar

Gemeinsam

Montag: Der erste KiGa-Tag nach den Weihnachtsferien. 17 Kinder und 2 Hunde warten auf den Startschuss. In der Tat wie „ein Sack Flöhe“, haben wir uns doch soooo lange nicht gesehen und es gibt viel zu erzählen. Also, auf der Wiese erstmal einen Morgenkreis mit einer nicht enden wollenden Mikrofonrunde. Dann erste Inspektion. Noch alles so wie wir es verlassen haben? Nach dem Frühstück gehen wir in den Wald. Kurzer Stopp auf dem Rehplatz- natürlich wieder viel zu kurz, als es gerade richtig Spaß macht, geht’s schon wieder weiter. Den Geheimgang in Richtung nach Hause. Wie nach Hause? -Och nööö…wir wollten doch noch…Dienstag: Der Wetterdienst prophezeit für heute 80% Regenwahrscheinlichkeit, 0° (gefühlte -5° wegen „leichter“ Böen) mit wenig bis keiner Aussicht auf Besserung. Draußen ist es noch fast dunkel. Es ist so ein Morgen, wo ich mir selbst ein bisschen leid tue und ich mich frage, warum eigentlich „immer draußen?“… Als erstes die Funktionsunterwäsche, dann ne Lage Fleece. Beim Blick aus dem Fenster  kommt direkt noch eine Schicht Fleece drüber, eine wattierte Kombi aus dem Anglerbedarf und zum Schluss noch Regenhose und Jacke, Mütze, Pulswärmer, Handschuhe, Schal und dicke Stiefel. BOAHHHH…Die Beweglichkeit ist extrem eingeschränkt und die Motivation hat sich- wer weiß wo- versteckt. Aber, los geht’s! Mir erscheint es zunächst noch alles grau, kalt, nass, neblig, trist und irgendwie tot. Aber kaum unterwegs, schaffen die Kinder es, mich mit ihrer Unbefangenheit, mit ihrer Achtsamkeit den kleinsten Details gegenüber mitzureißen. Ich bestaune mit ihnen halbgefrorene Erdbrocken, ein wenig Eis auf der Pfütze und die Nebelschwaden auf den Feldern. Hier leben wir ausschließlich im Jetzt-vergessen sind die Sorgen von gestern, die überfüllte Waschmaschine oder was es heute zum Mittag gibt. Wir entscheiden uns für den Wald und gegen die Wiese. Die Rucksäcke legen wir beim Sofaplatz ab und dann geht`s erstmal den Froschpfad entlang- zu Millies Baum. Schon am zweiten Warteplatz große Aufregung. Ein Baum ist umgekippt. Nach einer kurzen Inspektion geht’s weiter. Nächster Stopp: Hochsitz. Die „Eisdiele“ öffnet, der „Computer“ wird angeschmissen, ein „Gefängnis“ für gefährliche Raubtiere errichtet und die „Jäger“ gehen auf Pirsch. Alle Kinder sind ins Spiel eingebunden. Auf dem Sofaplatz wird gemeinsam gefrühstückt. Danach entwickelt sich innerhalb der ganzen Gruppe ein Spiel, bei dem wieder einmal deutlich wird, was für ein Gewinn es ist, wenn keine materiellen Dinge da sind! Was da an Sozialkompetenz zu Tage kommt, lässt einem auch bei eisigen Temperaturen ganz warm ums Herz werden. Und plötzlich macht alles wieder einen Sinn. Ich weiß genau, warum „immer draußen!“ Weil alles was die Kinder brauchen, in der Natur und in uns selbst steckt!!! Mittwoch: Heute zwingt uns eine Wetterwarnung dazu, den Tag in der Sturmhütte in Rüde zu verbringen. Die Kinder freuen sich riesig! Dürfen sie doch hier ein Spielzeug von zu Hause mitbringen und das lästige „angeplünne“ am Morgen fällt weg. Die Spielzeuge landen aber nach max. 1 Std. in der Garderobe, denn irgendwie lassen sie kein gemeinsames Spiel zu. Wir er-leben dann nicht gemeinsam sondern nebenher. Also bauen wir zusammen eine Höhle. Dort werden bis zum Abholen Rollenspiele gespielt und wir hoffen, dass wir morgen wieder raus können! Donnerstag: Yes, heute geht’s auf die Wiese, weil es in Böen aber immer noch bis Windstärke 8 geben kann, bleiben wir auch dort und gehen nicht in den Wald. Auf dem Weg dorthin überrascht uns ein heftiger Hagelschauer. Wir müssen seitwärts, halb rückwärtsgehen um überhaupt etwas sehen zu können. Schrecklich denken jetzt vielleicht einige. Genial, denken wir… Die Stimmung ist extrem friedlich. Es gibt unterschiedliche Spielgruppen, die Tiere, Bauarbeiter, Köche usw., aber immer wieder rufen sie sich auch alle zusammen und entdecken oder besprechen etwas gemeinsam. Gemeinsame Erlebnisse ohne Material und ohne einen Auftrag, stärken das Gefühl der Verbundenheit. Freitag: Kein Wind und zum Ende sogar Sonne! Heute gehen wir in den Wald, zu den 500 kleinen Flatterulmen denen wir zusammen mit Förster Udo im Dezember zum Schutz vor Wildfraß einen Mantel aus Schafswolle verpasst haben. Unglaublich aber war, selbst nach den heftigen Stürmen sieht’s noch aus wie auf einer Baumwollplantage! So und ähnlich, niemals aber gleich, kann eine Woche bei uns im Wald ablaufen. Sie ist alles, nur nicht langweilig! Für uns alle das größte Geschenk, Raum und Zeit gemeinsam zu erleben!

Liebe Grüße aus dem Wald,

Nicole Wedell

Infos unter: www.naturkindergarten-satrup.de oder Waldhandy 0170/2959282


Mai

Ostern im Waldkindergarten

 

Seit ende Februar mache ich ein Praktikum im Wald. Direkt am ersten Tag erwartete mich ein Faschingsfest in einer Reithalle, welches ich so auch noch nicht erlebt habe. In den Tagen darauf folgte ein Crashkurs im Tipis bauen und Weiden flechten. Die original Farbe meiner Regenkleidung hielt nicht länger als drei Tage. Durch harte Fußball Matches, auf dem wohl matschigsten Spielfeld der Welt, war die Kleidung schnell von oben bis unten braun eingefärbt. Alles teil der Anpassung. Aber um sich voll anzupassen sollte man sehr flexibel sein. Ist man in einem Moment noch von einer Bande Seeräuber umgeben, können daraus Indianer, Bauarbeiter, Edelsteinsucher, Pferde, Prinzessinnen oder ein Wolfspack werden.

Ein Highlight, vor den Ferien, war das Osterfest. Die Tage davor wurden Eier bunt bemalt. Ein teil der bemalten Eier war als Geschenk für die Eltern gedacht und andere hängen, fast wie Weihnachtskugeln, am Tannenbaum auf der Wiese. Aus geflochtenen Weiden machte jedes Kind sein eigenes kleines Osternest. Am Tag vor der Osterfeier wurden die Nester in den Wald gebracht und wir hofften, dass der Osterhase diese finden und natürlich auch füllen würde.

Als wir uns am nächsten Tag auf den Weg machten funkelten schon die ersten bunten Schokoeier in der Morgensonne. Es scheint als hätten wir Glück gehabt und der Osterhase ist wirklich schon da gewesen. In seiner Eile hat er unterwegs einiges verloren. Doch den Adleraugen der Kinder entging nichts. Nun mussten wir nur noch hoffen, dass der Osthase auch die Nester im Wald gefunden hat. Tatsächlich! Der Osterhase hat jedes Nest gefunden und mit Schokolade und einem hart gekochtem Ei versehen. Danach ging es wieder zurück auf die Wiese. Das Osterfeuer wurde entzündet und wir frühstückten mit dem Feuer vor uns und der Sonne im Rücken. Bald trafen auch die Eltern ein. Es folgte ein Theaterstück über Hühner, die ihre Probleme hatten, bei dem ganzen Stress, ihre Eier zu legen. Die Frösche sangen ein Lied und die Osterhasen machten eine leckere Suppe für die Hühner. Schließlich gelang es Ihnen die Eier rechtzeitig, zum Osterfest, zu legen. Nachdem auch noch „Stups, der kleine Osterhase“ zum besten gegeben wurde, war es Stockbrotzeit. Das machen des Stockbrotes, wurde von vielen Kindern gerne den Eltern überlassen. So hockten die Erwachsenen um das Feuer herum, während die Kinder irgendwo im Hintergrund spielten und dann und wann mal herankamen um zu fragen wie weit das Brot ist.

Ich denke, es hat sich für die Eltern ausgezahlt,

denn zum Schluss wurde  noch ein Gedicht vorgetragen und ihnen ein schickes Glas mit bemalten Eiern und einem Osterhasenkochlöffel überreicht. Es war wirklich ein toller Abschluss der ersten Hälfte meines Praktikums, und ich bin schon gespannt was ich noch alles erleben darf.

 

Robert William Schmidt


Juni

 

Was ist das für ein Gefühl?

Seit einigen Jahren hat sich der Naturkindergarten Satrup „BNE“(Bildung zur nachhaltigen Entwicklung) auf die Fahne geschrieben. Hört sich ja erstmal wichtig an…aber worum geht’s denn dabei eigentlich genau? Mit unserem ersten Projekt(2012) -Achtung Froschalarm!- dem eine 3jährige Weiterbildung zu Grunde liegt, „touren“ wir zwecks Multiplikatoren Schulung durch die Republik. Von Trappenkamp nach Mecklenburg-Vorpommern über Karlsruhe und am 31.05. geht’s wieder nach Trappenkamp. Bei all diesen Veranstaltungen wird deutlich, dass die Schlagworte von BNE: Globalität, soziale Gerechtigkeit, ökologisches Gleichgewicht, Ressourcenschonung/Nutzung bei Kollegen/innen eher das Gefühl „Angst“ erzeugt, statt zu motivieren. Es sind einfach Begriffe aus der Erwachsenenwelt und nicht wirklich kindgerecht. Wie kann ich Ungerechtigkeiten auf der Welt und diese z.T. für mich selbst nicht nachvollziehbaren bzw. erklärbaren  Zusammenhänge Kindergartenkindern vermitteln, ohne Ängste zu schüren? Und dann sollen sie dabei Best möglichst auch noch etwas lernen! Es ist wirklich ganz einfach! Mit Gefühl!!! Denn erst Gefühle verleihen Ereignissen Bedeutung. Ereignisse ohne begleitendes Gefühl sind bedeutungslos! Echte Gefühle erzeuge ich kaum durch abstrakte vorgelesene oder gezeigte Informationen, sondern indem ich sie er-leben lasse. Bei unseren Projekten steht keinesfalls die Wissensvermittlung im Vordergrund! Es geht überhaupt nicht darum, dass die Kinder lernen wie der oder der Frosch, die einzelnen Erdschichten oder bestimmte Bäume heißen. Wir wollen sie nicht mit Fachwissen bombardieren, sondern ihnen die Möglichkeit geben, ein Gefühl zu entwickeln. Empathie zu empfinden. Genau hinzuschauen, Fragen zu stellen. Lösungsstrategien zu entwickeln. Uns gemeinsam auf den Weg machen und die  Ideen der Kinder ernst  nehmen. Das „Wissen“ kommt dabei ganz automatisch. Ich habe überhaupt kein Problem damit zuzugeben, dass ich auch nicht weiß wie z.B. der Baum heißt und es dann gemeinsam zu recherchieren. Eine echte Interessenbekundung ist so viel mehr wert, als auf alle Fragen eine Antwort zu haben. Unser aller Problem ist doch: „Wir denken zu viel und fühlen zu wenig!“ Kinder sind uns da echt voraus…In der Fachschule lernen die angehenden Erziehern/innen, Projekte von Anfang bis Ende durchzuorganisieren. Welche Inhalte, welche Lieder, welche Fingerspiele, welche Bastelangebote wann und wie zu welchem Projekt? In vielen Regel Kindergärten werden Wochen- Monats und sogar Jahrespläne vorgearbeitet. Alles wird erstmal mit dem Kopf bearbeitet anstatt es einfach zu fühlen. BNE Projekte zeichnen sie dadurch aus, das sie sich an den Alltagsthemen der Kinder, den Interessen und Bedürfnissen orientieren. Nichts ist vorgeplant, es ergibt sich im Tun. Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen und viele Projekte  begleiten uns ein ganzes Kindergartenjahr. Die Logik, das diese Projekte nachhaltig in den Köpfen und Herzen bleiben, erklärt sich- glaub ich- von selbst J.Unser aktuelles Baumprojekt überrascht uns fast täglich. So haben wir z.B. während eines Abschluss Kreises  philosophiert, wie ein Baum sein kann. Am Anfang war ich skeptisch, ob wir es wohlschaffen, dass jedes Kind etwas Eigenes  findet. Ich habe mitgeschrieben und nach ca. 15 Min. sind wir auf gut 60(!) verschiedene Adjektive gekommen! Das funktioniert nur deshalb, weil sie ein Gefühl  für die Bäume entwickelt haben. All unsere Projekte werden begleitet von charakterlich unterschiedlichen Maskottchen. Fridolin, der Froschprofessor, wusste auf (fast) alles eine Antwort. Knolle unser Erdklumpen, hat uns ganz anschaulich das Leben unter der Erde demonstriert. Und bei unserem Baum Projekt spielt Milli die Hauptrolle. Milli ist eine junge, unerfahrene (Stoff)Eule, die etwas über die Bäume und den Wald lernen möchte. Sie kann nicht sprechen, wohl aber dem, der genau hinhört, etwas ins Ohr flüstern. Nie hätten wir für möglich gehalten, zu was diese Eule fähig ist! Die Einzelheiten hier aufzuführen würde den Rahmen sprengen und ich laufe Gefahr von dem einen oder anderem als „esoterische Spinnerin“ gehalten zu werden…Unsere Bäume erzählen uns Geschichten, wir schreiben Notfall-Rettungsbriefe an bedrohte Frösche in Neu Guinea, und eine Stoffeule  schafft es, aus „rüpeligen Halbstarken“ sensible Persönlichkeiten heraus zu kitzeln. Nennt es wie Ihr wollt. Ich nenne es das schönste Gefühl der Welt und ich weiß ganz sicher, dass unsere Kinder- gestärkt mit diesem Gefühl -die Welt ein kleines bisschen besser machen werden…

Dieses Gefühl  ist schon immer wichtigster Bestandteil des Naturkindergartens-auch ohne BNE-Projekte. Telse Espermüller hätte es mit: „Wir alle fühlen uns auf ganz besondere Art und Weise mit dem Kindergarten verbunden“ nicht besser ausdrücken können. Als ehemaliges Kindergartenkind und mittlerweile im Berufsleben stehend, trägt sie noch immer viel von diesem Gefühl  in sich und lädt alle ehemaligen und aktuellen Waldkinder zu einem (Wiedersehen)Treffen auf unsere Wiese ein. Am Samstag , den 24.06.2017 ab 11.00 Uhr (für die „Kinder“) und ab 14.30 Uhr dann zum Grillen auch mit den Eltern. Infos und den Kontakt zu Telse bekommt Ihr gerne über das Waldhandy:0170/2959282 oder brieftaube@naturkindergarten-satrup.de

Ich freue mich und bin sehr gespannt, wie viele von den 132(!) ehemaligen „Kindern“ kommen und noch einmal dieses besondere Gefühl aufleben lassen! Denn das ist es doch, worum es eigentlich geht!!!

Bis dann, Liebe Grüße vom schönsten (Arbeits)-Platz der Welt,                                                                                                                      Nicole Wedell


August

 

WOW!!!

Samstag, 24.06.2017 - 9.30 Uhr in Mittelangeln. Es ist bewölkt, vereinzelt tröpfelt es und wir haben eine leichte Brise. Egal, das Wetter ist auch heute nur „ein nicht beeinflussbarer Geselle“ unseres Alltags im Wald und: es hätt auch schlimmer kommen könnenJ. Schnell die letzten paar Sachen zusammengepackt und dann geht`s zur Kindergartenwiese. Ich bin etwas aufgeregt, die Vorfreude hat mich gepackt. Telse Espermüller, „unser“ ehemaliges Kindergartenkind, hat für heute alle gut 130 Kindergartenkinder der vergangenen 19 Jahre zu einem Wiedersehen Treffen auf die Wiese eingeladen. Für einen mehrgruppigen Regelkindergarten hört sich das erstmal nach „nix“ an- werden hier doch teilweise über 200 Kinder täglich zeitgleich betreut. Im Naturkindergarten gibt es aber „nur“ eine Gruppe mit 18 Kindern. Im Schnitt wechseln jedes Jahr 5 Kinder in die Schule und da wir uns als große Familie verstehen, erscheint mir ein Wiedersehen Treffen mit 130 „ Familienmitgliedern“ als gigantisch groß! Jes Oke Espermüller hat extra nochmal die Wiese gemäht, es werden Fähnchen aufgehängt, das Grill steht bereit und so nach und nach trudeln die ersten „ Kinder“ ein. Wie schööööön!!! Ausnahmslos alle haben an diesem Tag ein Lächeln im Gesicht… Die einen gehen sofort zur geliebten Wasserbahn, andere schnitzen, sägen, basteln, werkeln, die Stelltafeln mit Fotos der vergangenen fast 20 Jahre werden beguckt und wir vernehmen das ein oder andere „Ohhh“ und „Ahhh“… Von der Froschfraktion wird die Froschwanne aufgestellt und sofort sind sämtliche Umgehens Formen mit den sensiblen Tieren parat. Pferdchen in Groß und Klein traben über die Wiese, Jungs gegen Mädchen auf der Wippe und etliche „weißt Du noch“- Gespräche. Viel Freude-speziell bei den älteren- kam beim Anblick von Anni auf. Sie ist meine Vorgängerin und war seit 10 Jahren nicht mehr im Kindergarten. Und auch bei ihr wurde deutlich, wie wertvoll sie diese Zeit im Wald in ihrem Herzen trägt. Nach einem Gruppenfoto gehen wir in den Wald. Einmal den Froschpfad entlang und auch hier sind sie alle- egal wie alt- sofort wieder voll drin. Am Rehplatz angekommen bilden sich kleine Gruppen aus jeweils mind. einem alten, einem mittlerem und einem aktuellem Kind. Nun gilt es Fragen zu beantworten- welche von vor zig Jahren und welche von jetzt. Als Preis winken eine Waldkiga Postkarte, ein Aufkleber und Naschi. Zurück auf der Wiese gesellen sich nun auch viele Eltern, Partner und Freunde zu uns. Jede/r hat etwas zum Büffet beigetragen und beim gemeinsamen schmausen werden viele Erinnerungen ausgetauscht. Es ist- wie immer- eine ganz besondere Stimmung auf der Wiese. Soviel Dankbarkeit, Freude, Liebe und Achtsamkeit liegt in der Luft-hier kann es einem gar nicht schlecht gehen. Wahrlich ein magischer Ort…Gegen Spätnachmittag hat es sich dann so langsam aufgelöst, lauter beseelte Menschen, die für ein paar Stunden zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind. Einer von ihnen-Jan, mittlerweile erwachsen, bis über beide Ohren mit Matsch verziert, hat es auf Aussage: „Mensch Jan, Du siehst ja gut aus“ auf den Punkt gebracht. Mit einem Hopser in die Luft und einem Grinsen von einem zum anderen Ohr: „Ja, und ich bin so glücklich!“ Liebe Telse, von Herzen vielen Dank für diesen tollen Tag! Danke an Jes Oke fürs Rasen mähen, reparieren aufbauen etc., Danke Bauer Peter für Grill, Grillwurst etc., Danke Christiane für`s Foto machen und Danke an alle die da waren!

Infos und Kontakt unter 0170/2959282 oder brieftaube@naturkindergarten-satrup.de   

Liebe Grüße, und schöne Ferien

Nicole Wedell


Oktober

„Es kommt die Zeit…“

Nach den Sommerferien haben wir 9(!) Neue Kinder in unseren Kindergarten aufgenommen. Herzlich Willkommen: Greta, Lotta, Juna, Mira, Nico, Sophie, Till, Tomke und Ronja-schön das ihr jetzt zu uns gehört! Die ersten 8 Wochen sind vergangen und-irgendwie unglaublich- aber es fühlt sich tatsächlich schon wieder nach „Familie“ an! Ehrlich gesagt war ich anfangs eher skeptisch…die Hälfte der Gruppe ist neu-und nicht nur die Kinder, nein, auch die Elternschaft soll ja mit ins Boot… Bei den Schnuppertagen wurde nochmal ganz deutlich, was für ein Schritt es für viele Eltern ist, die kleine Prinzessinnen/ den kleinen Prinzen das erste Mal loszulassen. Kommt sie/er klar? Ist es die richtige Entscheidung? Die richtige Zeit? Der richtige Ort? Hier hat sich im Laufe der letzten Jahre tatsächlich etwas verändert. Eltern wollten schon immer das Beste für ihr Kind, haben sich auch schon immer gefragt, ob das alles so richtig ist. Letztendlich haben sie es dann entschieden und den Kindern damit auch ein Stück Sicherheit mitgegeben. Entscheidungen wurden häufiger intuitiv  getroffen  und dadurch ist jeder Part in seiner natürlichen Position geblieben-Trennung von Kinderwelt und Erwachsenenwelt. Heute wollen viele Eltern es am liebsten mit Ihrem Kind „gemeinschaftlich“ entscheiden. Die Eltern-Kind-Beziehung soll partnerschaftlich sein, auf Augenhöhe. Die Kinder sollen sich bewusst für den Kindergarten entscheiden, damit die Eltern ohne schlechtes Gewissen arbeiten (oder auch die freie Zeit genießen) können. 

Und auch für die  Kinder heißt es erstmal „China-Town“ Aus der 24 Std. Betreuung und den Mittelpunkt der Erde darstellend plötzlich eine/einer von vielen zu sein. Vielleicht doch noch nicht ganz so groß, stark, schnell wie angenommen, auch mal warten müssen, sich hinten anstellen, nicht immer die Bestätigung der Erwachsenen abwartend, selbst Ideen entwickeln…Am Anfang können sie einem fast leidtun- ihre Welt wird quasi einmal durchgeschüttelt und der ein oder andere Zacken aus der Krone „gebrochen“…Aber es ist auch der Zeitpunkt, wo sie zum ersten Mal selbst ihren Platz finden, aktiv mitgestalten. Spüren und erleben, wo sie in der „Rangfolge“ stehen. Wenn sie dann“ ihren“ Platz gefunden haben, ganz ohne Mama oder Papa, sind sie ein Riesen Stück gewachsen! Ein Meilenstein in der Entwicklung. Und dann kommt die Phase, in der sie das spielen erlernen. Ja, irgendwie paradox- aber so ist es, sie lernen zu spielen. Echtes spielen, ohne Anleitung, ohne Begleitung und absolut zweckfrei- das wichtigste und wertvollste was ein Kind erleben darf. In dieser Art des Spielens steckt alles an Lerninhalten drin, was ein Kind als Fundament für ein gesundes wachsen braucht. Wir sind glücklich und auch ein bisschen Stolz, das wir diesen „Zustand“ tatsächlich schon nach 8 Wochen erreicht haben(wie gesagt, anfangs war ich/waren wir  skeptisch und haben gehofft, vielleicht zum Jahreswechsel soweit zu sein.)  Alle Kinder sind „angekommen“,  können sich und die anderen  gut einschätzen. Sissels und meine  Meinung verliert zunehmend an Bedeutung  und das ist auch genau richtig so! Die 18 Kinder wachsen zu einer Gruppe zusammen.  Wie in jedem Jahr ist diese Gruppe etwas ganz besonderes-jedes Kind trägt mit seiner Einzigartigkeit dazu bei und wir  freuen uns  aufs Neue, Teil dieser Gruppe  zu sein. Es ist so ein schönes Gefühl, zu sehen, wie dankbar die Kinder es annehmen und wie bereichernd es ist, aktiv mit ihnen Zeit zu verbringen. Nun freuen wir uns darauf, mit ihnen die Wunder der Natur zu erleben…

Fröhliche Grüße aus dem Wald,

Nicole Wedell

P.S.: Wir freuen uns über Fragen, Anregungen, Lob oder Kritik unter brieftaube@naturkindergarten-satrup.de oder unter Waldhandy: 0170/2959282


Dezember

„Oh du fröhliche…“

Der Regen peitscht an die Scheiben, der Wind bläst mit unaufhörlicher Kraft, kaum ein Fleckchen wo man nicht knietief im Matsch versinkt. Keine Sonne, kein Licht-stattdessen ein einheitliches braun/grau…Wie gemütlich ist es da doch drinnen in der warmen Stube, vorm knisternden Kamin. Warmer Tee auf dem Tisch, ein paar Kekse, die Kerzen brennen, im Hintergrund dudelt leise Weihnachtsmelodie…Mit diesem Bild im Kopf ernten wir derzeit wieder vermehrt Mitleidsbekundungen. “Mit Euch möchte ich nicht tauschen!“  „Ganz im Ernst-wie macht ihr das? Jeden Tag draußen und trotzdem fröhlich?“ „Die armen Kinder…“ „Wollt ihr es Euch denn nicht gemütlich machen zur Weihnachtszeit?“ „Es ist doch kalt und nass und…“ Ja, theoretisch mag das alles stimmen aber praktisch geht’s uns gut-richtig gut! Wir haben es uns soooo kuschelig gemacht in unserer Hütte am Wald. Tannengrün, Lehmanhänger, Stock-Weihnachtsmänner, Wichtel, Adventsgesteck und Kerzen. Jeden Morgen entscheidet eine Zaubernuss, welches Kind an diesem Tag etwas aus dem Adventskalendersack bekommt. (Wobei hier nicht das „Geschenk“ das Tolle ist…es ist die ZaubernussJ…) Auf unsere Familienkerze hat jede/r einen Stern mit einem „nicht käuflichen“ Wunsch geklebt. Täglich wandert diese Kerze mit zu einem anderem Kind nach Hause. Heiligabend leuchtet sie dann in der Kirche und hat hoffentlich viele  Wünsche erfüllt. Wir singen Weihnachtslieder, üben Gedichte, essen selbstgebackenen Kekse, lesen Bücher, spielen Abenteuer. UND: draußen brennen die Kerzen heller, die Kekse schmecken besser, die Geschichten sind spannender, Fichtennadeln riechen intensiver und auch das eigentlich triste braun/grün hat einen besonderes Flair…Auch wenn es schwer vorstellbar ist- die Kinder jammern nicht. Sie leiden nicht. Sie entbehren nichts. Sie genießen es…und wir mit ihnen! Gerade in dieser  Zeit, wo die Natur zur Ruhe gekommen ist, wir uns auf das wesentliche besinnen und alle Zeiger auf Harmonie stehen, wächst unsere kleine Waldfamilie noch dichter zusammen. Und dann, letztes Wochenende haben sich doch tatsächlich die ersten Wünsche der Wunschkerze erfüllt! Jella hat sich Schnee gewünscht und Johan gefrorene Pfützen. Tataaaaa: Ein Geschenk! Wie zauberhaft der verschneite Wald aussieht…Wenn hier keine Weihnachtsstimmung aufkommt, wo dann? Und mal ganz ehrlich-was gibt es schöneres, als leuchtende Kinderaugen??? Das Jahresende ist auch die Zeit, um DANKE zu sagen.  DANKE an unsere Kinder (für die täglichen kleinen Wunder die wir mit Euch erleben), DANKE an die Eltern (für euer Vertrauen und die Unterstützung), DANKE an Bauer Peter&Familie (für allesJ), DANKE an Anne Ankersolt (für die tollen Besuche auf eurem schönen Hof), DANKE an das Team der Regenbogenschule (fürs Schule schnuppern), DANKE an alle Gönner, Freunde und die, die wir vergessen haben. Ein ganz besonders herzliches DANKESCHÖN gebührt in diesem Jahr unserem lieben Vorstand. Lisa Lassen unser Finanzgenie, Kirsten Koch unsere Feder, Anne Remmer unser Guter Geist, Sven Schlott unser Allrounder und Lars Goldbeck die Liste- ihr alle macht seit Jahren einen tollen Ehrenamtlichen(!!!) Job für-und mit uns. Ihr schenkt uns Eurer vollstes Vertrauen, steht uns mit Rat und Tat zur Seite und Ihr wertschätzt unsere Arbeit. Mit Euch kann man lachen, weinen, feiern, Spaß haben, träumen, planen und verwirklichen. Ihr seid einfach super und wir sind sehr froh, dass wir Euch an unserer Spitze bzw. hinter unserem Rücken haben! DANKE!!!

Allen einen guten Start ins Neue Jahr bei bester Gesundheit und die nötige Prise „Feenstaub“, um im alltäglichen das Wunderbare zu entdeckenJ…

Liebe Grüße, Nicole Wedell

Kontakt: brieftaube@naturkindergarten-satrup.de oder 0170/2959282