2018


Februar

"Winter"

In meinem Kalender ist eine schneebedeckte Landschaft zu sehen und da unter  steht Januar. Also müssen wir Winter haben...

Bei uns sieht es draußen leider nicht so aus. Dunkel , matschig, verregnet und oft windig. Man sagt ja "E s liegt nicht am schlechten Wetter, sondern an der falschen Kleidung, wenn man nicht draußen sein mag". Aber so einfach ist das nicht.

Wir sind eine Truppe die IMMER draußen ist und wir sind gut gekleidet,
aber auch uns geht das Wetter manchmal auf den Zeiger. Mit der richtigen Kleidung kämpft jede Mama bzw. Papa, um das Passende zu finden... Die Nässe macht uns dies Jahr zu schaffen... Manche Kinder sind "Backofen-Kinder" andere wiederum "Frost-Kinder".
Es ist nicht einfach genau die richtige Bekleidung zu finden, denn sie sollen sich auch noch bewegen können, nicht nass werden und wenn möglich atmungsaktiv ;).

Hut ab vor Euch Eltern. Ihr seid wirklich tapfer! Die Matschmonster machen es Euch nicht immer einfach.
Aber ich kann Euch sagen so mühsam wie das Anziehen auch ist, ES LOHNT SICH. Trotz des Wetters ist es das Wert. Da die Hälfte der Gruppe ihren ersten Winter erlebt, gibt es oft ganz neue Erlebnisse für sie. Der Sand in der Sandkiste ist hart. Wie soll man denn jetzt was bauen? Der ganze Modder ist in den Eimern gefroren. Die sind somit auch nicht mehr brauchbar. Hätten man sie nur ausgelehrt , als es noch möglich war... Die baulichen Spielideen sind somit nicht wirklich umzusetzen. Es bleibt also das Rollenspiel. Für ein Rollenspiel braucht man mehrere Kinder, sonst macht es keinen Spaß.  "Was will ich eigentlich spielen und mit wem?" Und vor allen Dingen müssen sie mit einander kommunizieren. Es nützt nichts, sonst wissen die anderen nicht was man spielen möchte. Spätestens  jetzt ist die Zeit der Sprache. Selbst die Kinder, die sich nicht gerne mitteilen, fangen dann an zu sprechen. Was Manchen im Morgenkreis schwer fällt, läuft im Spiel ohne Einmischung der "Großen" ganz von alleine. Man muss erklären, das der Stock eine Pistole ist und wer zur "Räuberbande" gehört. Und zwar so verständlich, dass die anderen damit etwas anfangen können. Übung macht auch da den Meister. Das ist auch einer der Gründe weshalb wir keine neuen Kinder im Winter aufnehmen möchten. Sie müssen bis zum Winter so weit sein, dass sich mitteilen können und ohne "Bastelanleitung" spielen.
Und es ist unglaublich: SIE KÖNNEN ES. Auch wenn sie noch zu warmen Zeiten viel feinmotorisches Bastelzeug lieben, so orientieren sie sich um, weil es nicht anders geht. Sie vertiefen sich in Rollenspiele. Für uns ist es immer dann geschafft, wenn die Kinder auf jedem Warteplatz (den wir alle paar Minuten einhalten müssen) spielen. Und zwar spielen sie einfach weiter. Das Spiel kann im Gehen fortgesetzt werden und sobald wir anhalten, um auf kurzbeinige und verträumte Kinder zu warten, wird ein Plätzchen auf dem Weg eingenommen, um dort weiter zuspielen. Bei so einer jungen Gruppe und so einem "Winter" sehen wir es als etwas ganz besonderes an, dass die Kinder, egal wie alt sie sind, diese Aufgabe bewältigen.

Ich bin überzeugt davon, dass man ohne dieser Entbehrungen und diesen teilweise widrigen Wetterverhältnissen nicht so leicht das Ziel erreichen kann. Es ist nicht ganz einfach das gebe ich zu, aber Grenzen bei sich und anderen kennenlernen finde ich lebenswichtig. Von daher muss ich trotz der Klagen am Anfang sagen, es ist das schönste Geschenk IMMER draußen sein zu dürfen.

In der Hoffnung, dass wir doch noch ein Winterkalenderbild bekommen.
 Liebe Waldgrüße, Sissel Nielsen
 Weiter Infos: brieftaube@naturkindergarten-satrup.de oder Waldhandy 0170-295928


März

                                        

Erziehung ohne Beziehung? 

Vor ca. 2 Wochen lief im Fernsehen (NDR) eine Sendung, in der es um“ Naturwissen“ im weitesten Sinne ging. Ein Reporter hat ca. 10 Personen verschiedener Altersgruppen befragt, z.B. woran man eine Fichte von einer Tanne unterscheiden kann. Das Ergebnis: NIEMAND wusste die Antwort!!! Blätter zuordnen?- Fehlanzeige.

Winterschlafende Waldtiere?- Achselzucken. Eine typische Waldblume?-Augenrollen und abwinkende Handbewegung… Es war nicht die Tatsache, dass meine Mitmenschen keine Antworten darauf hatten, was mich erst fremdschämen ließ, dann wütend gemacht  und letztendlich sehr nachdenklich gestimmt hat. Nein, es war diese unglaubliche Ignoranz, dieses ins lächerliche ziehen, dieses: Ist mir doch egal, was geht mich der Wald an? Sie haben tatsächlich überhaupt keine Beziehung zum Wald(und zur Natur?), wie können wir da erwarten, dass sie ihn schützen möchten bzw. können?  Und was hat das jetzt mit dem Kindergarten zu tun?

„Unsere“ Kinder könnten die „Naturwissen-Fragen“ vermutlich alle beantworten, aber geht es überhaupt um Wissensvermittlung? Ist es wichtig, dass wir einzelne Arten unterscheiden können? Das wir immer eine Antwort parat haben? Nein, denn reine Wissensvermittlung funktioniert nicht nachhaltig. Uns geht es um das Gefühl. Den Wald und die Natur be-greifen, mit allen Sinnen wahrnehmen, sich in andere Lebewesen hineinversetzen, eine Beziehung entstehen lassen und dann kommt das Wissen ganz von alleine. Würden wir mit den Kindern in einem Buch den Unterschied zwischen Tanne und Fichte „erkunden“, wäre die Antwort- wenn überhaupt- nur kurz im Gedächnis. „Das Abenteuer“ (eine Geschichte , die mit Figuren und Utensilien (idealerweise in und aus der Natur) gespielt wird) von der kleinen Waldhexe, die alle heruntergefallenen Fichtenzapfen in kleine Mäuse verwandelt und die Tanne deswegen ihre Zapfen aufrecht wachsen lässt, ermöglicht den Kindern einen Bezug, an den sie sich vermutlich noch Jahre später erinnern können. Dazu noch ein anderes Beispiel: Normalerweise sind die Forstarbeiter bei den Kindern ähnlich „hoch“ angesiedelt wie Feuerwehrman oder Polizist. Sobald die Motorsägen kreischen, ist für uns Kino. Normalerweise…nicht so dieses Jahr. Die „Neuen“ Kinder waren schwer beeindruckt, haben sie so etwas wahrscheinlich noch nie so hautnah erlebt. Aber die älteren, die im letzten Jahr unser Baumprojekt mitgestaltet haben, wurden verdächtig ruhig. Durch dieses Projekt haben sie eine ganz andere Beziehung zu den Bäumen aufgebaut, sie haben sie kennen und lieben gelernt. Sie wollen sie schützen! Ich bekam eine Gänsehaut und war gleichzeitig mega-stolz. Stolz, weil ein Kind mit 5 Jahren hinterfragt, ob es denn wirklich sein muss, dass die Bäume jetzt gefällt werden. Und dann, obwohl die Motorsäge eine gewisse Anziehungskraft ausstrahlt sagt:“ Also ich guck mir das jetzt nicht an wie der Baum gefällt wird!“  Seine Freundin legt tröstend den Arm um ihn und sagt: „Der Wald muss ja auch Geld verdienen“ und dann ziehen beide los, und „säen“ neue Bäume, indem sie  Bucheckern verbuddeln. Sie wissen dass es ein Wirtschaftswald ist und die Menschen unterschiedliche Ansprüche an ihn haben. GROßARTIG- nach einem Jahr…Verstanden würde ich sagen, davon ein paar mehr, und ich mache mir um unsere Zukunft keine Gedanken mehr J! Und ganz ehrlich: das geht nicht nur im Wald! Oft hören wir: Ja ihr, ihr seid ja auch im Wald, da geht das ja auch…Der Ort spielt aber nur eine zweitrangige Rolle, wenn auch die Natur zugegebenermaßen ein großartiger Lehrmeister ist.  Aber: Werte vermitteln geht überall. Überall da, wo Beziehungen zugelassen und gelebt werden!!!Wir müssen uns nur überlegen, was uns wirklich wichtig ist. 

Ein gewisses Maß an Respekt und Achtsamkeit sowohl der Natur als auch unseren Mitmenschen gegenüber ist das  Fundament, auf dem aufgebaut werden kann. Ich bin felsenfest davon überzeugt: Erziehung „funktioniert“ NUR über Beziehung!  

Liebe Grüße, Nicole Wedell     


April

Naturkindergarten Satrup e.V.                                                                                                               

Geht`s Euch auch so? Seid Ihr reif für den Frühling? Sehnt Ihr Euch nach Wärme, Sonne, Farbe, nach einem Lächeln und neuem Leben? Dieser Winter hat uns allen einiges abverlangt…Mit Ausnahme des (kurzen) echten Wintereinbruches mit rodeln, Schneemannbauen, Schul-und KiGa-Ausfall war er doch geprägt von Unmengen Regen und einheitlichem Ockerbraun. Nun ist es soweit! Wir sehen, hören, riechen- wir fühlen ihn schon! Und er zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht J…                                                                                                                                                                               

„Ein Lächeln, weil wir wieder ohne Handschuhe schnitzen können ( und das geht wirklich viel besser). Sowieso können wir jetzt einfach irgendwo sitzen, ohne dass es kalt wird. Beim Frühstück brauchen wir uns nicht zu beeilen und wir können basteln und malen.  Es gibt wieder ein Baugebiet, weil der Sand nicht mehr hartgefroren ist. Die Super-Duper Wasserbahn läuft endlich wieder. Im Wald können wir aus Buchenknospen tolle Pinsel basteln. Wir freuen uns auch, dass die Frösche wieder aufwachen, die Vögel so schön singen und der Wald mal eine andere Farbe bekommt. Am aller-aller-aller meisten freuen wir uns, das wir morgens nicht in sooo viele Klamotten gestopft werden und uns wieder schneller und leichter bewegen können. Hallo Du schöner Frühling!!!“

„Ein Lächeln, weil jetzt die schönste Zeit für uns Waldeltern anfängt. Kein gequake und diskutiere  am Morgen, wenn es ums anziehen geht- was für ein Geschenk! Ja, wir haben uns ganz bewusst für „immer draußen“ entschieden, aber ganz so romantisch ist es nach diesen gefühlt endlosen Schiet-Wetter-Monaten nicht…das schlechte Gewissen die richtige Entscheidung für unsere Kinder getroffen zu haben, die Sorge, es könnte verdursten, verhungern oder erfrieren wenn man es wie für eine Himalaya Expedition in die eisige Kälte des dunklen Waldes abgibt…eingemummelt in 17 Schichten Klamotten- Schnee von gestern! Jetzt, mit den ersten Sonnenstrahlen können wir uns (wieder) vorstellen wieviel „Spaß“ es für die Kinder bedeutet, immer draußen zu sein. Vergessen sind die logistischen Herausforderungen, Schlamm und Matsch getränkte Kleidung bis zum nächsten Morgen wieder startklar zu bekommen, fröhliche Gesichter überall. Unsere Kinder erzählen uns von den ersten Blumen, den Tieren die zurück sind und bringen mal auch mal etwas gemaltes oder gebasteltes mit nach Hause…Da freut sich das Elternherz!!!“

 „ Ein Lächeln, weil wir den schönsten Arbeitsplatz der Welt haben! Das Erwachen der Natur gemeinsam mit „unseren“ bezaubernden Kindern zu erleben, bedeutet jeden Tag eine Portion Glück. Zu sehen  wie gestärkt und widerstandsfähig sie sämtlichen  Widrigkeiten strotzen, wie achtsam, aufmerksam und dankbar sie kleinste Veränderungen wahrnehmen, ist ein unbezahlbarer Schatz! Der Winter ist –jeden Tag draußen- eine Herausforderung aber er bietet auch unendliche Möglichkeiten. Das Gefühl des Entbehrens in unser wohlbehüteten flauschig rosa Watte- Welt ist weitestgehend verloren gegangen und doch ist es genau das, was uns Dinge überhaupt erst zu schätzen wissen lässt. Das Sozialgefüge, die Kreativität und das Durchhaltevermögen wachsen und diese Gefühle tragen  uns den ganzen Frühling hindurch. Die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen unsere Herzen hüpfen. Jetzt heißt es: Genießen!!

Frühlingshafte Grüße, mit einem Lächeln im Gesicht Nicole Wedell


Mai

Ja klar, es ist ein Thema, denn Bewegung ist Leben. Ohne Bewegung ist der Waldkindergarten nicht denkbar. 4 Std. Tag für Tag draußen, bei eisiger Kälte, bei Regen, Schnee und Schmuddelwetter- das geht nur mit Bewegung! Wenn im Sommer die „Neuen“ Kinder kommen, geht es oftmals 1Schritt vor, 2 zurück und plumps-einmal Bodenkontakt. Denn die Natur hat keine gepflasterten Wege. Hier geht es über Stock und Stein, durch Brombeerranken, über Bächlein und Maulwurfshügel und das „laufen“ muss tatsächlich nochmal neu bzw. anders gelernt werden. Ganz langsam bauen wir die Wege und Entfernungen aus, damit spätestens zum Winter jedes Kind „gerüstet“ ist. Je nach Wetterlage kommen da am Vormittag schon mal einige Kilometer zusammen (und das mit 3-5Schichten Klamotten und einem Rucksack auf dem RückenJ). Somit gehört Bewegung für uns zum Alltag wie die Luft zum Atmen, wir machen also kein Thema daraus. Es gibt keine Sportfeste, keine Bewegungsbaustellen, keine Turnangebote oder Wandertage, -wir bewegen uns einfach so, immer und überall und jede/r so viel, wie sie/er braucht. Psychomotorische Defizite korrigieren sich recht schnell,  „Zappelphilippe“ und energiegeladene Kinder können sich auspowern ohne andere zu stören um dann hochkonzentriert an Gruppenaktivitäten (die auch mal sitzend 1/2 Std. dauern) teilzunehmen. Vom unselbstständigen Säugling bis zur selbständigen Persönlichkeit- alles fängt mit Bewegung an. Sinneserfahrungen und Körpererlebnisse sind unerlässlich um sich im Leben zu Recht zu finden. Kinder brauchen ausreichend Freiräume um ihren angeborenen Bewegungsdrang und ihre aktive sinnlich Auseinandersetzung mit der Umwelt auszuleben. Diese Freiräume und Anreize haben wir per Excel Lance im Wald. Was für ein Luxus den wir da leben können !!! Ich bin überzeugt davon, dass wir deutlich weniger verhaltensauffällige Kinder und gestresste Kollegen/innen hätten, wenn diese Möglichkeiten einfach jedem offen stünden…     

Im Rahmen des Projektes erarbeiten wir zurzeit ein ganz besonderes Bewegungs- Highlight im Rehberger Wald. Wir gestalten einen Pfad mit verschiedensten Stationen zum hüpfen, hangeln, laufen, balancieren, kriechen…zum Spaß an der Bewegung in der Natur für die ganze Familie! Ideengeber sind hier ganz klar die Kinder, denn es ist einfach erstaunlich, wie kreativ sie sich tagtäglich neue Spiel-und Bewegungsbereiche erobern. Da wird vom „Eichhörnchensprung“ bis zum „Vogelflug“ alles dabei sein. Die Einladung zur Eröffnung folgt in Kürze.

Herzliche Grüße, Nicole Wedell                                                                                                                    


September

Wer oder was bestimmt eigentlich den Wert?

Nicht nur zu Beginn der Kindergartenzeit liegen viele Fragen und Unsicherheiten in der Luft…Ist das alles normal so? Schafft mein Kind das? Und Ich? Was wird von uns erwartet? Beim Blick auf Freunde, Bekannte und Nachbarn variiert es extrem stark von z.B. Kindergeburtstag 1: 12 geladene Gäste, Einhorn Muffins (selbstgebacken und natürlich ausschließlich mit Bio-Zutaten), passender Tischdeko, Event im „Erlebnispark“, Bastelaktion, Gastgeschenke wo man sich fragt, wer hat hier eigentlich Geburtstag?, Abendbrotbuffet und anschließendem Bring-Service nach Hause… ODER Kindergeburtstag 2: 6 Freunde, fertige Berliner vom Discounter, Spiele im heimischen Garten und zum Abschluss einen Luftballon… Ist der All-Inklusive-Urlaub auf den Kanaren „besser“, als Camping im Garten? Ist mein Kind ein Spätentwickler, weil es mit 5 Jahren seinen Namen noch nicht schreiben kann? Oder hochbegabt, wenn es vor der Schule schon lesen kann? Bin ich eine schlechte Mutter/ein schlechter Vater, weil mein Kind noch kein Seepferdchen hat? Nicht beim Ballett ist, kein Musikinstrument beherrscht oder einfach viel lieber zu Hause spielt als eines der zahlreich angeboten Freizeitaktivitäten zu besuchen? Traue ich meinem Kind zu viel zu, wenn es alleine mit dem Fahrrad einen Freund besuchen darf? Habe ich in der Erziehung irgendetwas falsch gemacht, weil es sich nicht traut andere anzusprechen? Oder weil es ohne jegliche Hemmungen auf jeden direkt zugeht? Fragen über Fragen, die man sich nur selbst beantworten kann. Jede/r hat unterschiedliche Ziele, Werte, Normen, Vorstellungen, aber auch Erfahrungen und Möglichkeiten. Für den einen ein „zu-trauen“, für den anderen ein „zu-muten“. Für den einen ein „must have“, für den anderen ein „no go“. Allzu oft  werden Werte an Äußerlichkeiten gemessen. Was Kinder(und wir natürlich auch) wirklich brauchen, ist ein Zuhause- kein großes Haus. Wärme-keine teuren Klamotten. Zeit-kein schnelles Auto. Erfahrungen- keine Erzählungen. All diese Dinge kann man nicht kaufen- aber geben, und jede/r so gut er eben kann. Wir betrachten(und bewerten) es meistens aus unserem Blickwinkel. Jede/r trägt aber seinen ganz eigenen Rucksack und vielleicht ist es für sie/ihn genau richtig so, oder das einzig machbare. Wie viele Eltern verzweifeln an angeblichen „Standards“ und diesem ewigen vergleiche was Mäxchen schon kann oder wie die Müllers das alles gewuppt kriegen-als Bilderbuch-Familie. Wie reich gesegnet sind da diejenigen, die sich aus Status oder Trends nichts machen…Für uns im Kindergarten macht es wieder einmal mehr deutlich, wie wichtig es ist, Kinder und Eltern als Individuen zu sehen. Nicht das eine ist besser oder schlechter als das andere. Alles ist gut-solange es aus Überzeugung und mit vollem Herzen geschieht. Jeden dort abholen, wo er steht und aus all diesen kleinen und großen Persönlichkeiten eine gleichberechtigte Gruppe wachsen  lassen. Es ist jedes Jahr wieder eine Herausforderung und jedes Jahr wieder ein Geschenk! Wir nehmen uns alle Zeit die es braucht, bis jede/r Ihren/seinen Platz gefunden hat, bis das nötige Vertrauen da ist und wir „echt“ miteinander agieren können. Zum Abschluss zitiere ich eine (unbeobachtete) Unterhaltung von 4 Jungs, die zwar schon einige Jahre zurückliegt, aber aktueller denn je ist: M: „Mein Papa hat ein hammerschnelles Auto mit dem er richtig rumdüsen kann!“ A: „Ja, aber mein Papa kann schon Bagger fahren!“ D:“Dafür arbeitet mein Papa auf einer Baustelle und fährt riiiiesige LKW`s!“ E (überlegt kurz und dann sehr trocken): „Mein Papa hat mich lieb!“

Herzliche Grüße aus dem Wald,

Nicole Wedell


November

Naturkindergarten Satrup e.V.                                                                                             

Unser Alltag ist Wunderbar!

 

Ich möchte Euch heute gerne eine Situation aus unserem Alltag erzählen, die sich so oder ähnlich an jedem x-beliebigen Tag  wiederholen kann. Ohne Plan, ohne Initiation, einfach so…                            
Beim morgendlichen „Reihe machen“ sind Jella und Sophia sich sofort einig und planen, dass sie heute  das Krankenhausspiel vom Vortag weiter spielen wollen. Wir entscheiden uns aber für den Wald und gegen die Wiese was bedeutet, dass sie „um planen“ müssen. Denn eine Arztpraxis „to go“ ist zwar durchaus möglich, aber jedes Mal, wenn sie gerade mit der Behandlung beginnen wollen, heißt es: „Wir gehen weiter…“ Nicht in Eile und ohne konkretes Ziel bewegt sich jede/r  in seinem Tempo von Warteplatz zu Warteplatz.  Am „Wollplatz“ angekommen, ist erstmal Frühstückspause (auch jede/r  in seinem Tempo-zumindest solange es die Temperaturen noch zu lassen). Jetzt nach dem Frühstück ist Zeit das Krankenhausspiel wieder aufzugreifen, denn wir haben verkündet, dass wir an diesem Platz bleiben bis es wieder nach Hause geht. Auf der Suche nach einem Behandlungsraum stolpern sie über ein Stück „Schwartenholz“, vermutlich von Forstarbeitern liegen gelassen. Erst balancieren sie darauf, dann versuchen sie zu messen, wie lang es wohl ist und philosophieren, wie es hierhergekommen ist. Greta, die zufällig vorbeikommt, sagt: “Oh, coole Wippe!“ Das war der Startschuss. „Wenn wir noch mehr Stöcker drunter legen, dann wippt es noch besser“. Nach und nach gesellen sich immer mehr Kinder dazu, helfen Stöcker herbei zu schaffen, tragen das Brett an einen freien Platz, koordinieren, verteilen Aufträge, erklären, rechnen, messen, schätzen ab, begutachten, testen und kurz bevor wir dann den Rückweg antreten müssen, stehen 8 Kinder auf der Wippe-im Gleichgewicht! Und nicht nur die Kinder sind stolz wie Bolle. Es ist wieder einer dieser magischen Momente in denen mir Glasklar ist, den besten und dankbarsten Job überhaupt zu haben. Dazu fällt mir das Zitat von Astrid Lindgren ein: „War es nicht sonderbar, das so wenig so glücklich machen kann?“ Wir haben nichts vorbereitet, es hat kein Geld gekostet, wir haben es nicht angeleitet und am Ende des Vormittages haben die Kinder sooooviel gelernt-im (freien) Spiel. Kein Erlebnispädagogischer Spielplatz, kein gekauftes Spielzeug, keine Lernmaterialien von hoch dotierten Pädagogen und keine noch so gut geplante, initiierte Situation ist in der Lage, diese Fülle von Lerninhalten zu bieten, weil einfach viel zu viel vorgegeben ist. Alleine die Kommunikation, das es eine Wippe wird und kein Bett, Sprungbrett oder sonst was ist, die Fantasie, die strategischen Überlegungen, das „learning by doing“ geht so ganzheitlich nur, wenn das Spiel „frei“ (und durch nichts vorgegeben ist).  Die Natur hält immer und überall Möglichkeiten bereit, Wunderbares zu erleben. Und die Kinder-sofern man sie lässt- können es uns auf ganz bezaubernde Art zeigen. Und dazu passt dann das Zitat von Pearl S. Buck noch hervorragend: „Die wahre Lebenskunst besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen!“

Wir wünschen Euch eine schöne, besinnliche und friedliche Adventszeit, erholsame Feiertage und die Muße, mal genau hinzuschauen...

Liebe Grüße aus dem Wald, Nicole Wedell


Dezember

Es ist wieder ein Waldjahr vergangen... Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Ein ganzes Jahr voller Erlebnisse und Abenteuer. Schulis sind gegangen und neue Kinder sind gekommen ... unser 20jähriges Jubiläum ... die Schulifahrt ... die Strandwoche ... alle unsere Feste und Aktionen. Im Rückblick ein Jahr mit allen Facetten der Jahreszeiten. Wir haben sie ZUSAMMEN erlebt.
Danke für dieses Waldjahr
Eigentlich ist damit schon alles gesagt. Aber es stecken so viele tolle Menschen hinter unserem "Projekt" Naturkindergarten, dass es nicht ausreicht allgemein Danke zu sagen.
Wir können es also nicht oft genug wiederholen, DANKE an unseren ehrenamtlichen Vorstand. Bei Kirsten Koch (Schriftführerin) für Protokolle, die sehenswert sind und für ihre offene, frische Art Sachen anzusprechen und unvoreingenommen immer wieder nachzuhaken. Bei Lisa Lassen (Kassenwartin) für ihren Zahlenverstand und ihre Genauigkeit, plus der Aufmerksamkeit, dass alles seinen richtigen Weg geht. Bei Sven Schlott (2. Vorsitzende) für seine immer hilfsbereite und ausgleichende Art, die schon so manches hochgekochtes Gespräch wieder versachlichte (es wird geflüstert, dass er den Rasenmäher besonders liebt ;). Bei Anne Remmer (Beisitzerin) für ein Interesse an uns, das beispielhaft ist und die immer alles zu schätzen weiß. Die uns auch gerne wieder "runterholt", wenn wir ein wenig die Bodenhaftung verlieren. Ein Urgestein im Vorstand. Bei Ann-Kristin Goldbeck (1. Vorsitzende) für den Mut diesen Posten zu übernehmen, ihn auszufüllen und sich mit lauter Stimme vor uns zu stellen und absolute Rückendeckung zu geben.
Wir möchten uns ganz herzlich bei euch bedanken für den unermüdlichen Einsatz, eure freie Zeit in diesen Kindergarten zu investieren, damit die Rahmenbedingungen gegeben sind. Die Kinder haben dadurch einen wunderschönen Platz zum Spielen, Lernen und alle die Dinge zu tun, von denen wir schon in den anderen Berichten geschrieben haben. DANKE

Dann sind da noch die Menschen, so wie Bauer Peter und Christiane (Espermüller) die einfach da sind und uns ihren Hof für Bring- und Abholmöglichkeiten zur Verfügung stellen und Peter, der uns nicht einen Wunsch abschlagen kann. Wir möchten uns auch bei euch für die immer unkomplizierte Art miteinander umzugehen bedanken.
Bio-Hof Ankersolt, mit dem wir eine Kooperation haben und den wir zu jeder Jahreszeit sehr gerne besuchen. Anne (Petersen) nimmt uns mit offenen Armen für einen Vormittag auf und lässt uns teilhaben an ihrem Hof mit Hühnern, Rindern, Pferden und den Edelsteinen im Sandhügel. Die Kinder genießen die Besuche. DANKE
Bei unserem Förster Udo (Harriehausen) bedanken wir uns für die Hilfsbereitschaft bei allen Anfragen, die wir an ihn herantragen. Da sein Terminkalender zeitlich sehr eng ist, freuen wir uns, wenn er durch "unseren" Wald fährt und wir ihn, ob er Zeit hat oder nicht, abfangen und ihn kurz aufhalten können. DANKE für die Unterstützung und deine freundliche Art.
Es fehlt noch die Regenbogenschule mit der Verbindungslehrerin Karen Utecht, die den Kontakt zu uns immer pflegt und uns, trotz unserer Größe, nicht vergisst. DANKE für die tolle Zusammenarbeit.
Liebe Eltern wir freuen uns, euch zu haben, und wir bedanken uns für das Vertrauen, dass ihr in uns steckt und das wir eure Kinder für den Vormittag "ausleihen" dürfen. Und natürlich dafür, dass ihr die ständige Herausforderung annehmt, die "richtigen" Klamotten anzuziehen und sie irgendwie (mehr oder weniger) immer wieder sauber bekommt. DANKE
Wir bedanken uns auch bei allen, die es gut mit uns meinen und uns unterstützen.
Es ist ein Geschenk, mit "unseren" Kindern in den Wald zu ziehen und Abenteuer zu erleben, die das Leben spielt. Das ist nur mit meiner absoluten Lieblingskollegin möglich. DANKE dir für wieder mal ein wunderbares Waldjahr.
Es muss alles passen und zusammengehören. Wir haben das Gefühl, dass das "Projekt" Naturkindergarten genau so wie es ist, passt!

Dankbare Waldgrüße, Sissel Nielsen