Aktuelle Berichte 2016


Dezember 2016

Mein Baum
Was ist eigentlich ein Baum? Liest man im Duden nach, wird er als „Holzgewächs mit Stamm aus dem Äste wach-
sen“ definiert. Die moderne Holzwirtschaft beurteilt Bäume in erster Linie nach ihrem wirtschaftlichen Vermark-
tungswert. Naturliebhaber schätzen den Erholungswert und den vielseitigen Lebensraum für Tiere. Wissenschaftlich betrachtet sind Bäume gigantische CO2 Staubsauger und ein einzelner Baum liefert pro Stunde 1200 Liter Sau-
erstoff.
Fragt man aber „unsere“ Kinder, hört man als Antwort: (M)ein Baum ist (M)ein Freund! Im Laufe der letzten Monate hat sich jedes Kind seinen Lieblingsbaum im Wald gesucht. Es wird nicht einfach irgendein Baum auserwählt jeder einzelne wird sorgfältig und genauestens beäugt, befühlt, bestaunt. Der eine liefert uns besonders schöne Bucheckern, ein anderer ist prima zum Klettern geeignet und der nächste hat besonders schöne Zapfen.
Es sind große Exemplare dabei, kleine, raue, glatte, welche mit Blättern, andere mit Nadeln. Einige Bäume findet man entlang unseres Froschpfades, auf dem Rehplatz, am Elfensee, entlang des Geheimweges und am Pixie-Platz. Regelmäßig besuchen wir unsere Bäume und beobachten, ob und wie sie sich verändern. Jedes Kind erstellt einen Steckbrief für seinen Lieblingsbaum. Wir messen den Umfang, sammeln Früchte, Blätter und Nadeln, bestimmen Standort und besondere Merkmale.
All diese Informationen und Kenntnisse werden in einem Baum Buch zusammengefasst. Millie, eine kleine Stoffeule, ist bei all diesen Abenteuern immer dabei. Als typischer Baumbewohner hat sie natürlich ein großes Interesse an unserem Projekt. Ganz besonders emotional und anrührend wird es, wenn ein Baum eine Geschichte zu erzählen hat. Das Kind lauscht an „seinem“ Baum und erzählt der Gruppe anschließend, was es gehört hat. Ein Baum z.B. erzählt von Räubern, die früher im Wald waren. Einer berichtet von seinen Freunden,den Pilzen. Einer fühlt sich an seinem Platz sehr wohl und mag es, wenn der Wind seine Blätter durchwuschelt. Eine sehr alte Fichte bittet darum, dass wir ihr die runtergefallenen Zapfen in ihre Baumwurzelhöhle zurücklegen…

Die Kinder fühlen sich mit ihrem Baum so verbunden, dass sie ihn ohne jegliche Kennzeichnung tatsächlich unter all den Bäumen jedes Mal wiederfinden. Mehr noch, selbst die Bäume der andern Kinder sind ganz klar im Bewusstsein jedes einzelnen. Das Interesse an den Zusammenhängen der Bäume, der Lebewesen im Wald und uns Menschen ist angeregt. Für Fragen wie: Warum werden die Bäume gefällt? Was passiert mit den Stämmen, die am Wegrand liegen? Tut es dem Baum nicht weh wenn er gesägt wird? haben wir unseren lieben Förster Udo Harriehausen gewinnen können und ein  Besuch beim Sägewerk zeigt uns, wie aus einem Stamm Bretter entstehen. Die Erkenntnis, dass Menschen  unterschiedliche Ansprüche an den Wald haben, wird uns noch über die Grenzen Mittelangelns bis in die weite Welt  „entführen“. Es ist ein Bewusstsein geschaffen, die Bäume, den Wald und die Natur nachhaltig schützen zu wollen. Wir sind sehr gespannt, welche Wunder wir auf unserem Weg noch erleben dürfen…

„Besuch mal wieder einen Baum und lehn Dich an!“

In diesem Sinne wünschen wir allen eine besinnliche und freudige Vorweihnachtszeit, ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr!

Herzliche Grüße aus dem Wald,
Nicole Wedell