2010


Januar

Der Winter beginnt im Naturkindergarten

Die dunkle Jahreszeit versüßen wir uns mit schönen Aktionen. Was kann man gegen Nässe und Kälte tun? Ganz einfach ein Feuer. Wir haben das große Glück, das unsere Praktikantin, Mascha, einen waschechten Wikinger zum Vater hat. Der uns einen ganzen Kindergartentag lang zeigte, wie Wikinger leben. Er gewährte uns einen Einblick in die Zeit wo das Feuer lebenswichtig war. Wir konnten uns davon überzeugen, dass sie wirklich mit Zunder und Funken ein wärmendes Feuer entfachen können und die Pfeilspitzen mit Steinen behauen haben. Wir danken dir Reinhard für den beeindruckenden Vormittag. Wir sind immer noch im totalen Wikingerwahn.
Vielen lieben Dank!

Wie kann man sich einen trüben Tag versüßen? Ganz einfach mit selbstgepresstem Apfelsaft. Sehr lecker. Diesmal ist Johannes Luckhardt mit einer Apfelpresse, die die Kinder selbst betätigen konnten zu uns in den Kindergarten gekommen. Alle Kleine und Großen haben in mehreren Arbeitsgängen Apfelsaft hergestellt. Wir waren den ganzen Vormittag damit beschäftigt unseren Saft zu erarbeiten. Vielen Dank für die unermüdliche Ausdauer und Ruhe mit der du alles erklärt hast. Dank auch an Familie Espermüller, die uns in ihrem Apfelgarten die Äpfel sammeln ließen, damit wir diese Aktion durchführen konnten und natürlich wie so oft die Scheune benutzen durften.

Die Adventszeit ist im Wald etwas besonders. Keine Hektik! Wir haben unsere Hütte gemütlich geschmückt mit vielen Kerzen, Tanne und weihnachtlichen Wichteln. Es ist eine aufregende Zeit: Unser Adventskalender, der uns jeden Tag gespannter werden lässt; der Nikolaus, der uns mit einer gefüllten Socke beglückt hat; die  weihnachtlichen Geschichten, die wir jeden Tag hören; die Vorbereitung auf unsere Weihnachtsfeier. Unser Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Der Besuch im Landestheater bei Pippi Langstrumpf. Ganz besonders haben wir uns über die Überraschung auf unserer Wiese vom Förster gefreut. Ein Tannenbaum. Jeden Tag wird er von uns mit Leckereien für die Tiere geschmückt. Er sieht wunderschön aus. Vielen Dank für die Mühe.
Jetzt kann der Winter kommen. Wir freuen uns!
Der einzige Wehrmutstropfen ist das Ende des 10 wöchigem Praktikums von unserer Mascha, die wir sehr vermissen werden.

Wir wünschen allen ein schönes ruhiges neues Jahr!


Februar

Wissenschaftlich gesehen sind Schneeflocken Eiskristalle, die den Regenwolken entstehen und je nach Temperatur als Regen oder Schnee auf der Erde ankommen. Für die einen eine lästige Begleiterscheinung des Winters, für uns ist es eine Riesenfreude! Im Dezember war es für die meisten Menschen noch toll endlich mal wieder „weiße Weihnachten“ zu feiern doch schon wenige Tage später hörte man hier und da, dass es doch jetzt auch mal reichen würde- mit dem Schnee. Mittlerweile haben Radiosender Hotlines eingerichtet, wo man seinen Frust über die weiße Pracht ablassen darf und vereinzelt wird über eine nahende Schneekatastrophe gefachsimpelt.

WIR tauschen die Fingerhandschuhe gegen Fäustlinge, die Strumpfhosen gegen Thermounterwäsche, das Sweatshirt gegen den Fleece und die Mütze gegen die Sturmkappe. Unmittelbar vor dem rausgehen noch ein Klecks Wachscreme ins Gesicht und der Spaß fängt an. Über mitleidende Blicke und Sprüche von Freunden und Nachbarn (Du Arme, die ganze Zeit draußen- und das bei DEM Wetter…) kann ich nur schmunzeln. Ob sie vergessen haben, wie warm einem wird wenn man sich zum 48igsten mal den Rodelberg hochkämpft?

Neulich beim Bäcker unterhalten sich zwei: “Wenn ich morgens wachwerde, aus dem Fenster schaue und wieder ist alles weiß, dann hab ich direkt schlechte Laune!“ „Ja, ist das nicht schrecklich?“
Das kann einem wirklich leidtun -bei uns löst die weiße Materie Forscherdrang und Kreativität aus. Ab -5°C ist der Schnee extrem pulverig und weder zur Schneeballschlacht noch zum Schneemannbau geeignet, das be-greifen schon unsere Kleinsten. Aber er ist ideal um Tierspuren zu verfolgen -notfalls auch durch den ganzen Wald. So lernen wir etwas über die Tiere im Winter und ihre Not, denn mittlerweile ist die Rinde einer gefällten Esche fast restlos abgeknabbert.
Bei -10°C verflucht der Nachbar seine Schneeschippe und die ersten Autos springen nicht mehr an.

WIR verabreden uns mit Bauer Peter zu einer „Trecker-Rodelfahrt“ durch den verschneiten Winter-Wald. Bei so viel Herrlichkeit und Zauber wird uns ganz warm ums Herz.

Aufgrund von Schneeverwehungen sagen Busunternehmer ihren Dienst ab.

WIR nutzen diese und bauen meterlange verzweigte Schnee-Höhlen-Labyrinthe.
Als an diesem Tag der Kindergarten zu Ende ist, ist der Protest groß. So viele Ideen wollen noch verwirklicht werden…

Der Winter-Räumdienst klagt über Salzmangel. Täuscht es, oder sind die Salzregale in den Supermärkten tatsächlich fast leer? Ein Anwohner fragt, was 18 Kleine und 2 Große Menschen 4 Stunden lang auf einer Eisfläche - ohne jegliches Alternativprogramm machen? Ein ca. 1 km langes Wegenetz entsteht, indem Unmengen von Schnee zur Seite geschaufelt werden und viele kleine Gassen ein Schneeirrgarten darstellt. Auch hier haben wir so viel Spaß, das der Tag mal wieder zur kurz ist.

WIR haben noch lange nicht die Nase voll und um die meistgestellte Frage zu beantworten: Nein, wir frieren nicht! Wir freuen uns alle wie wir da sind, jeden Tag wieder über die weiße Pracht.

WIR entgehen sämtlichen Grippewellen und kriegen so ganz nebenbei ein gutes Gespür für unseren Körper. So weiß schon die 3jährige J. das sie nach einer Runde Pferdchen spielen wieder warm genug ist, um an den Schneehöhlen weiterzubauen. Erst war der Atem nur sichtbar - mittlerweile ist er auch hörbar, aber erst wenn er Baumaterial für Iglus liefert, werden WIR aus unserem „Wintertraum“ geweckt!

Nicole Wedell


März

Futteraktion im Wald mit Schule

„Frühstück! -- Holt bitte eure Rucksäcke! Wir müssen heute in der Hütte essen! Es schneit zu heftig. So..., haben alle ausgepackt? Welchen Frühstücksspruch wollt ihr? Gut, gut…
Dann alle zusammen: "In der Ecke sitzt ne Schnecke, singt ein Lied guten Appetit!" Wir konnten wieder mit einem guten Gefühl unser Frühstück verzehren, denn wir hatten uns auch um die hungrigen Waldtiere gekümmert. Seitdem es uns gestattet ist, nicht nur das Niederwild zu füttern, sondern auch Rehe und Co, läuft eine regelrechte Futteraktion an. Mit unserem Förster und mit den zuständigen Jägern ist abgesprochen worden, wo und was wir füttern können. Alle Familien unserer Waldkinder spendeten Futter für die Tiere. Das Boot, in dem uns sonst Bauer Peter mit dem Trecker durch den Wald zieht, wurde mit Heu, Möhren, Äpfel, Kastanien und sonstigen Leckereien für unsere hungrigen Freunde gefüllt. Der Trecker blieb in der Scheune, alle Kinder knoteten sich irgendwie an das Seil, um das Boot mit unserer wertvollen Fracht in den Wald zu ziehen. „Wir kommen mit Futter!“ Auf dem schneebedecktem Feld stehen, wie jeden Morgen Rehe und scharren nach etwas essbarem. Sie schauen immer neugierig zu uns herüber, laufen aber nicht mehr wirklich weg. Als wenn sie ahnen das es etwas zu essen gibt.

Leider mussten wir schnell feststellen, dass wir den Futterbedarf für diesen Winter nicht abdecken können. Soviel vermögen wir alleine dann doch nicht zusammenzutragen. Da entstand die Idee die Regenbogenschule mit einzubeziehen. Da die Dienstwege kurz sind, konnten wir sofort mit Frau Dr. Philip eine gemeinsame Futteraktion ins Leben rufen. Wir danken, für die schnelle und unkomplizierte Zusammenarbeit. Zettel sind verteilt worden, auf den wir um Spenden für die Tiere im Wald bitten. Jeden Tag holen wir das Gesammelte in der Schule ab und verfüttern es im Wald.

Die extreme Wetterlage, die wir ebenfalls zu spüren bekommen, erleben die Bewohner des Waldes wesentlich hoffnungsloser. Wir möchten mit dieser Aktion „unseren“ Tieren helfen.

Wer also auch etwas tun möchte, kann in einen Korb vor dem Lehrerzimmer in der Regenbogenschule Kastanien, Wurzeln, Hafer, Heu oder Äpfel für diese Aktion spenden. Der Naturkindergarten und die Tiere freuen sich darüber.
Vielen Dank!

Sissel Nielsen


April

Schulreif???

Sehr häufig stellen sich Eltern die Frage, ob Kinder in Wald- und Naturkindergärten wirklich alles lernen, was sie für ihre spätere Entwicklung, insbesondere in der Schule, brauchen.

Selbstverständlich erfüllen auch wir den festgelegten Bildungs- und Erziehungsauftrag der im KJHG festgesetzt ist. Eine wissenschaftliche Studie von Dr. phil. Peter Häfner „Waldkindergarten und Schulfähigkeit von Kindern“ bestätigt, dass die Anforderungen vollumfänglich erfüllt und in besonderem Maße gerecht werden.

„Charakteristisch für Wald- und Naturkindergärten ist der ganzheitliche Ansatz, der auf die Selbstentwicklungsfähigkeiten der Kinder setzt und so Lebenskompetenz besonders stärkt. Mit den täglichen Herausforderungen der freien Natur erwerben die Kinder Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen für ihr späteres Leben, die zum Teil deutlich über die Möglichkeiten eines Regelkindergartens hinausgehen“. (Zitatende)

Unsere Großen sind extrem aufgeregt, hören sie doch schon oft Wochen vorher sowohl von Tante Berta als auch Oma Hilde: “Bald beginnt der Ernst des Lebens- freust Du Dich denn schon auf die Schule? Hast Du Dir schon einen Schulranzen ausgesucht?“ Große Geschwister oder ältere Freunde tun ihr übriges um die „Vorschulis“ wie ein Flitzebogen zu spannen. Was kommt da auf mich zu? Muss ich wirklich so lange still sitzen? Schaffe ich die Hausaufgaben? Was ist, wenn ich etwas nicht kann? Wer hilft mir?

Viele Fragen auf die wir in der letzten Woche Antworten finden konnten. Die vierten Klassen waren auf großer Fahrt und wir hatten das Glück einen Klassenraum zu beleben. Pünktlich um 8.45 Uhr trafen wir uns vor der Schule -die klopfenden Herzen konnte ich deutlich hören. Also haben wir erstmals einen Erkundungsgang gemacht. Für Spannung sorgte dann die erste große Pause -schon beeindruckend, soooo viele Kinder lautstark auf einem „Haufen“ zu erleben. Zur Freude aller gab es am Ende des ersten Tages natürlich noch Hausaufgaben und die Kinder wurden glücklich aber geschafft von den Eindrücken um 12.15 Uhr abgeholt. An den folgenden Tagen konnte man fast zusehen wie die anfängliche Unsicherheit in „schulgerechte“ Coolness überging.

Es war eine tolle Woche -sowohl für unsere Kids, als auch für uns Großen, denn vor Ort konnten wir ganz gezielt noch mal beobachten und ggf. in den verbleibenden Wochen bis zur Einschulung fördern. Ich bin angenehm überrascht, wie selbstverständlich sie diese ganz andere Situation annehmen konnten und wie wenig sie unter den „Schulkindern“ auffielen.

Ein Riesen-Dank an das Team der Regenbogenschule Satrup für die tolle Zusammenarbeit !

Die Vorfreude auf die Schule ist riesig und wir zählen die Wochen bis es losgeht. Wir geben unsere „Schulis“ mit einem guten Gefühl ab und sind uns ganz sicher: Ihnen hat es im Wald an NICHTS gefehlt!!!

Nicole Wedell


Mai

Informationstag Wald- und Naturkindergärten
8. Mai 2010 im ErlebnisWald Trappenkamp

Der SDW (Schutzgemeinschaft Deutscher Wald) bietet im ErlebnisWald Trappenkamp einen Tag mit Informationen über Wald- oder Naturkindergärten an. Dort stellen sich mehrere Waldkindergärten vor und zeigen in Form von Ausstellungen und Mitmachaktionen einen Ausschnitt aus ihrem abwechslungsreichen Tagesablauf. So steht es in dem Info-Flyer von Trappenkamp.

Da wir auch zu dieser Gemeinschaft dazugehören, wollen wir vom Naturkindergarten Satrup einen Stand machen und uns an diesem Aktionstag beteiligen. Wir sind natürlich daran interessiert, dass wir möglichst viele Menschen erreichen und mit dem „Wald-Virus“ infizieren, damit alle verstehen können warum wir so begeistert von der Waldpädagogik sind.

Es werden, laut Infoblatt, unter fachkundiger Anleitung erste Eindrücke und Kontakte zum Thema „Wald“ entstehen. Zahlreiche kompetente Ansprechpartnerinnen und –partner sind vor Ort und beantworten gerne Fragen. An Informationsständen und innerhalb kompakter Kurzvorträge wird die gesamte Thematik „Kinder im Wald“ beleuchtet. Naturwissenschaftliche, medizinische, bewegungsphysiologische, aber auch pädagogische Gesichtspunkte werden verständlich erklärt.

Dieser Informationstag dient der Aufklärung und Vorbeugung von Vorurteilen über die Wald- und Naturkindergärten sowie eine Entscheidungshilfe bei der Wahl eines Kindergartens. Wir spazieren eben nicht nur durch den Wald, sondern „der Wald ist als vielfältiges Bewegungs- und Wahrnehmungswelt die weckt und fördert die Phantasie, Kreativität, sinnliche Wahrnehmung und motorische Eigenaktivität der Kinder.“ (Zitat Infobroschüre SDW)

Wir würden uns freuen, wenn Sie neugierig geworden sind und einen Ausflug am Samstag, den 8. Mai in den ErlebnisWald Trappenkamp machen möchten. Ganz nebenbei ist der ErlebnisWald Trappenkamp auch ohne Aktionstag eine Reise wert.
Weiter Infos zu diesem Tag unter: www.sdw-sh.de oder www.forst-sh.de
Wir wünschen allen einen schönen, warmen Frühling.

Sissel Nielsen


Juni

Der Wald

Zwischen Hektik, Stress und gegen die Zeit
erleben wir täglich den Wald.
Wir spüren tiefe Geborgenheit
- egal ob`s warm ist oder kalt.

Wir nehmen uns Zeit für die Schnecke im Gras
die Sinne gehen auf Empfang,
beobachten den Frosch der da eben noch saß
und lauschen des Waldes Klang.

Es duftet nach Pilzen, Erde und Moos
Sind eins mit der Natur.
Wie beschreib ich das Gefühl denn bloß?
Es ist Glückseligkeit - pur!

Wir spüren das was wirklich zählt
Ohne Schnick-Schnack von außen.
Wie kann man glauben dass uns etwas fehlt?
Wo ist es schon schöner als draußen?

Wir laden Euch ein - probiert es mal aus,
kommt in den Wald - bleibt nicht zu Haus.
Und wer sein Herz öffnen kann
- spürt wohlige Wärme dann !!!


August I

Ein Kindergartenjahr geht zu Ende

Es war wie immer ein ereignisreiches Jahr im Naturkindergarten Satrup. Ein Jahr geht schnell vorbei, und wir wollen die letzten Wochen noch einmal Revue passieren lassen.

Im Mai fand ein wunderschönes Muttertagsfrühstück statt, bei dem wir von unseren Kindern mal so richtig verwöhnt wurden mit leckerem Essen und kleinen selbstgemachten Geschenken. Auch die Omas und Opas wurden nicht vergessen, die einen ganzen Vormittag lang die Möglichkeit hatten, den Kindergartenalltag mitzuerleben. Dieses Jahr stand der Oma- und Opa-Tag unter dem Motto “Indianer”, und es wurden gemeinsam Traumfänger und Stirnbänder gebastelt.

Im Juni hatten unsere Waldkinder Besuch von einem Fotografen, der bei herrlichem Wetter wunderbare Aufnahmen von den Kindern und ihren Geschwistern im Wald gemacht hat. Besondere Highlights waren auch das Zahnputztheater, eine Fahrt zum Umwelttheater nach Süderbrarup, der Fahrzeugtag im Wald, die Strandwoche in Westerholz mit tollem Strandwetter und das Zelten mit Eltern im Kindergarten.

In brütender Sommerhitze trafen wir uns am Freitag, den 2. Juli mit viel Gepäck und Proviant auf der Wiese. Als erstes suchten wir uns alle einen geeigneten Zeltplatz und richteten uns ein. Die beiden Erzieherinnen Nicole und Sissel hatten für uns im Wald noch einige Aufgaben vorbereitet, die Eltern und Kinder in Zusammenarbeit lösen sollten. Der Hitze waren wir damit entkommen, stattdessen wurden wir geplagt von Mücken und Bremsen, so dass wir nach getaner Arbeit gerne wieder auf die Wiese zurückkehrten. Dort genossen wir unser mitgebrachtes Grillfleisch, zahlreiche Salate und ganz besonders das selbstgebackene Brot aus dem neuen Lehmofen, der an diesem Abend eingeweiht wurde. Nachdem die Kinder dann alle zum Schlafen in die Zelte gekrochen waren, saßen wir Eltern noch einige Stunden gesellig beisammen. Am nächsten Morgen gab es für alle ein schönes Frühstück, das einen gelungenen Abschluss unseres Abenteuers darstellte.

Für sechs der Waldkinder geht nun eine aufregende, lehrreiche und unbeschwerte Kindergartenzeit zu Ende. Es fand eine “Schulifahrt” zum Wikinger-Campingplatz in Haithabu statt, die Nicole und Sissel liebevoll gestaltet haben. Geschlafen haben die Kinder und Erzieherinnen in Wohnwagen, und am nächsten Morgen statteten sie ihrem “Wikinger” Reinhard einen Besuch im Museum ab, wo er den Kindern anschaulich aus dem Leben der Wikinger erzählte und sie in die Kunst des Bogenschießens einführte. Vollkommen geschafft aber sehr glücklich kamen sie am frühen Nachmittag wieder in Satrup an und trugen neue wiesengrüne T-Shirts mit Bildern der Kinder und dem Aufdruck “SCHULIS 2010”.

Am letzten Kindergartentag vor den Sommerferien war es endlich soweit. Wir versammelten uns um 11:00 Uhr auf der festlich geschmückten Wiese, wo wir schon von den aufgeregten Schulis und den anderen Kindern erwartet wurden. Zunächst sangen die Schulis das Lied “Alle Kinder lernen lesen” vor und berichteten uns dann mit großem Lampenfieber und zahlreichen Requisiten aus dem Leben der Wikinger. Anschließend stärkten wir uns an einem Buffet, das wir Schuli-Eltern mitgebracht hatten. Danach überreichten Nicole und Sissel jedem der sechs Kinder eine kleine Erinnerungsmappe mit Fotos und einer kurzen Zusammenfassung der Kindergartenzeit, die Mappe mit den Schuliarbeiten und eine kleine Schultüte zum Umhängen. Jedes Kind durfte seine Baumscheibe mit Namen und Symbol von den Kleiderhaken abnehmen und als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Jetzt konnten die Schulis es kaum noch erwarten. Am Ein- bzw. Ausgang der Wiese wurden sie schließlich buchstäblich in hohem Bogen aus dem Kindergarten hinausgeschmissen.

Wir sehen der Schulzeit jetzt gelassen entgegen, weil wir davon überzeugt sind, dass unsere Kinder im Waldkindergarten sehr gut vorbereitet worden sind und bedanken uns auf diesem Wege nochmals ganz herzlich bei Nicole und Sissel für ihre engagierte Arbeit.

Anja Schween & Kirsten Koch


August II

Naturkindergarten mit neuem Lehmofen

Ein Lehmofen, das ist schon immer ein Traum von uns gewesen. Der Bau war geplant für diesen Sommer. Wir wollten uns gerade schlau machen, als ein Anruf von unserer Ex-Praktikantin (Mascha) einging und sie anfragte, ob sie nicht von der Erzieherfachschule ein Lehmofenprojekt machen kann. Na, super! Problem gelöst! Natürlich kann Mascha und zwei ihrer Mitschülerinnen ein Lehmofen bei uns im Naturkindergarten bauen. Juhu!!!

1. Man buddelt ein Loch
2. Man lege Feldsteine und Schamottesteine hinein
3. Man mache eine Haufen aus Sand
4. Man baue ein Weidenzelt darüber
5. Man matsche Stroh, Sand und Lehm zusammen
6. Man klatsche ihn auf den Sandhaufen mit dem Weidenkonstrukt
7. Wochenlang trocknen lassen
8. Sand unter dem Lehmpanzer wieder ausgraben
9. Tür bauen
10. Fertig
11. Toll

Unsere Sorge war natürlich was bei Regen mit unserem schönen Ofen passieren wird. Diese Bedenken trugen wir beim letzten Elternabend vor und sofort stand eine Batterie an Vätern bereit unseren Lehmofen zu retten. Über den heißen Draht von unserem ersten Vorsitzenden liefen alle organisatorischen Dinge ab. An einem Samstag im Juni waren die nötigen Dinge zusammengetragen und die Väter, die Zeit hatten, standen startklar auf unserer Waldwiese. Wo soll denn das Dach bitte hin? Wo ist eigentlich der Ofen? Das Rettungsgerät, um den Ofen zu schützen ist vielleicht ein bisschen groß? Wir finden: Es passt perfekt! Mit diesem Dach ist jedem klar wie wichtig der neue Lehmofen für uns ist! Wunderschön!

Wir danken allen Helfern für den Bau des Daches und den lieben Spendern (Fam. Schlott, Fam. Andersen) für das ganze Baumaterial. Danke ebenfalls an Mascha, Vanessa und Wiebke für das Projekt und die Idee. Nicht zu vergessen ist der Dank an Familie Schade, die uns mit gespendetem Schredder zu trockenen Füßen verhalfen. Unabhängig vom Ofen war Karsten Nielsen wieder tätig um die Situation „Landunter“ in unserer Hütte zu verbessern.

Vielen Dank für so viel Hilfe! Wir freuen uns über jede Beteiligung und sind Dankbar für so viel Unterstützung!
Wir wünschen allen einen schönen Sommer!

Sissel Nielsen


September

So schnell vergehen 4 Wochen Urlaub! Haben wir doch gerade erst die Schulis „rausgeschmissen“, sehen wir uns nun in einer völlig neuen Gruppe. Und was in so kurzer Zeit alles passieren kann…

Vor den Ferien war Natascha noch unsere jüngste aber jetzt zeigt sie sehr stolz wo und wie man bei uns Hände wäscht, wo die Pischecke ist oder wie man richtig schnitzt. Sehr gewissenhaft vermitteln die „Alten Hasen“ den „Neuen“ den richtigen Umgang mit Fröschen, dass man Krümel-Lehm in einer Pfütze wieder sehr geschmeidig kriegt und das man mit Stöcken sehr viel mehr anfangen kann als wir uns überhaupt vorstellen können. Sie genießen die Position der „Ranghöheren“ absolut- haben sie die letzten Monate doch mit gefiebert auch endlich ein Schuli zu sein. Bestimmt aber auch sehr liebevoll weihen sie die „Neuen“ in die Geheimnisse von Wald und Wiese ein. Solvej, Leander, Mathilde, Arild und Pelle fühlen sich schon sehr wohl bei uns.

Die Übergangsphase Elternhaus-Wald gestalten wir ganz individuell - je nach Bedürfnis. Klassisch sind es 3 Schnuppertermine vor den Sommerferien die die Kinder mit Mama/Papa erleben. In aller Regel reicht das aus. Bei all den neuen Eindrücken bleibt auch nicht viel Zeit für Trennungsschmerz oder Sehnsucht. Zahlreiche Schnecken und Frösche laden zur Safari ein und mittags heißt es dann: „Jetzt schon nach Hause? Aber morgen komm ich wieder…“Für uns- das schönste Geschenk!!!

Ein Kennzeichen unserer Zeit ist es, „keine Zeit“ zu haben, von einem Termin zum anderen zu hetzen, mit dem Kind an der Hand oder im Auto. Wichtige Termine in einem verplanten Alltag - was sind dagegen eine  Baumwurzelhöhle, die zum täglichen Spielen und Entdecken anregt, das Beobachten der Ameisenstraße, das Steinchen sammeln am Wegesrand?

„Wenn ein Kind seinen angeborenen Sinn für Wunder lebendig halten soll… braucht es die Gesellschaft wenigstens eines Erwachsenen, dem er sich mitteilen kann, der mit dem Kind zusammen die Freude, die Aufregung und das Wunderbare der Welt, in der wir leben, wieder entdeckt.“ (Rachel Carson)

Liebe Grüße aus dem Wald
Nicole Wedell


Oktober

Die Brombeere

Die Brombeeren begleiten uns das ganze Jahr. Zu jeder Jahreszeit bedecken sie einen Großteil unseres Waldbodens. Im Frühling, wenn sie anfangen zu sprießen dann müssen wir ganz genau schauen wo wir laufen, einen kleinen Moment der Unachtsamkeit hat schon so manchen zu Fall gebracht. Eine Augenweide wird es dann zum Sommer, wenn unzählige kleine rosa Blüten den Boden zum Strahlen bringen. Nun achten wir ganz besonders darauf die zarten Früchte nicht zu zertreten und erfreuen uns an dem schönen Farbspiel.

Seit einigen Wochen zeigen sie sich in ihrem typisch violetten Glanz -für uns der Startschuss zur Ernte. Gesammelt wird zu Hause - im Garten oder am Wegesrand - gemeinsam mit den Eltern oder Großeltern. So können die Beeren noch gewaschen werden und wir lassen die Speisekammer im Wald für unser kleinen Freunde, die Mäuse, Schnecken, Vögel…
Nirgendwo sonst erleben die Kinder den Prozess von „werden“ und „vergehen“ nachhaltiger als hier.

Am Mittwoch war es dann soweit. Bewaffnet mit Campingkocher, großem Kochtopf, Gelierzucker und leeren Gläsern ging es dann ans einkochen. Jede/r darf schütten, zuckern, rühren und stampfen - bei dem Geruch kann einem nur das Wasser im Mund zusammenlaufen!!! Zum Abschlusskreis gab es Marmeladen Knäckebrot satt. Wie gut das geschmeckt hat, kann man nur erahnen - teilweise wurden 6(!) Brote verdrückt. Zum krönenden Abschluss bekam jeder noch ein gefülltes Glas mit nach Hause. Guten Appetit!!!

Liebe Grüße aus dem Wald
Nicole Wedell


November

ERLEBEN

Eine Freundin fragte mich, wie wir unsere Waldkinder auf den Winter vorbereiten. Mir fiel die dicke Winterbekleidung ein, dann Wärmepäcks für die Hände usw usw. Aber wenn ich ganz ehrlich sein soll, können und brauchen wir die Kinder gar nicht auf den großen „bösen“ Winter vorbereiten.

Wir Erwachsene wissen natürlich, dass die Winterzeit auch Entbehrungen bedeutet: Sandkiste zugefroren, schnitzen mit Handschuhen ist eine Herausforderung für Jedermann, jedes Mal wenn man sich setzen will, kommt eine Erzieherin und fragt, ob man auch eine „Pomatte“ zum drauf sitzen geholt hat. So könnte man meinen, dass jetzt eine schreckliche Zeit kommt, aber ganz im Gegenteil. Es kommt nur eine andere spannende Jahreszeit. Wir nehmen es so wie es kommt.

Das ist das Schöne an einem Erlebnis. Wir können nicht alles vorbereiten, planen und kontrollieren. Es entzieht sich unserer Macht das Wetter zu beeinflussen. Wir sind dem ausgeliefert. Die Kinder sind da wesentlich  unkomplizierter. Die sagen: “Na und? Dann machen wir eben was anderes.“

Es läuft alles wesentlich entspannter ab, als man meinen sollte. Die Natur, die uns täglich umhüllt beruhigt. Winter hin oder her, erst mal haben wir Herbst und den genießen wir. Er zeigt sich in diesem Jahr bislang von seiner besten Seite. Mit gemeinsamen Erntedankfrühstück, Lagerfeuer und Stockbrot machen wir es uns mit den Kindern zum Erlebnis. Mit allen Sinnen spüren, verstehen und lernen. Was wollen wir mehr?

Liebe herbstliche Waldgrüße
Sissel Nielsen


Dezember

Holzeinschlag

In Deutschland sind die Waldbesitzer nach dem Bundes- und Landeswaldgesetz dazu verpflichtet, ihre Wälder „ordnungsgemäß und nachhaltig“ (§11 Bundeswaldgesetz) zu bewirtschaften. Hierbei kommt es darauf an, dass die Funktion des Waldes nicht nur als Rohstoffquelle, sondern auch als Grundlage für den Arten-, Boden-, Klima- und Wasserschutz sowie für Freizeit und Erholung der Bevölkerung berücksichtigt werden.

„Unser“ aktuelles Thema der letzten Wochen: Holzeinschlag!

Seit Ende Oktober konnten wir Forstwirte und Waldarbeiter in greifbarer Nähe erleben. Aus Sicherheitsgründen war an manchen Tagen der Wald für uns gesperrt, aber von unserer angrenzenden Wiese hatten wir einen guten Überblick und sobald es „grünes Licht“ gab, waren wir auf Entdeckungsreise. In diesem Jahr standen auch 3 „unserer“ Waldplätze an. Der Lehmplatz, einer unser Lieblingsplätze, wurde bereits vor knapp zwei Jahren wegen zu viel Totholz im alten Baumbestand für uns gesperrt. Nachdem nun etliche Bäume gefällt wurden freuen wir uns über die neuen Spiel- und Entdeckungsmöglichkeiten (für die einen ein Klettergerüst, für die anderen ein Raumschiff, Flugzeug oder Pferd) und darauf, dass wir ihn wieder beleben dürfen. An einem der Warteplätze im Wald stand der „Fernsehbaum“, eine stattliche aber kranke Esche. Als es ihr an den Kragen ging standen wir am Waldeingang, in sicherer Entfernung und waren beeindruckt von der Wucht des Aufpralls. Lucca: “Der ganze Boden bebt ja!“ Jula: “Bei mir kribbelt das im Bauch!“ Eindrücke und Erlebnisse die einfach unbezahlbar sind…

Zum Ende dieses schönen Jahres bedanken wir uns ganz herzlich bei allen, die sich mit uns verbunden fühlen und uns in ganz unterschiedlicher Weise unterstützen!!!

Eine besinnliche Adventszeit, frohe Feiertage und ganz liebe Grüße
Nicole Wedell